Samstag, 20. September 2014

Säve in Göteborg kann Stützpunkt der Nato werden

Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte der Flugplatz Säve in Göteborg kaum noch militärische Aufgaben und mit der Zeit wurde der ehemalige militärische Stützpunkt zum Cityairport auf dem vor allem die Flugzeuge der irischen Fluggesellschaft Ryanair landen und die unterirdischen Flughallen entwickelten sich zum Aeroseum, einem Flugzeugmuseum und einem Erlebniszentrum der Fluggeschichte. Die einst heimlichen Anlagen wurden mehr und mehr für die Allgemeinheit geöffnet.


Nachdem nun russische Maschinen immer häufiger unerlaubterweise in den schwedischen Luftraum eindringen, sieht sich die schwedische Verteidigung gezwungen entsprechend zu reagieren, denn die Flüge Russlands können auch auf einen noch unbestimmten späteren Angriff schließen lassen. In diesem Rahmen wird nun auch der Cityairport wieder interessant, da hier alle Anlagen weiterhin einsatzbereit sind und auch Platz für militärische Übungen vorhanden ist. Nicht zu vergessen ist dabei auch die ideale Lage der Stadt am Meer.

Ob Säve allerdings von der schwedischen Luftwaffe benutzt wird, ist noch ungewiss. Gegenwärtig überlegt man Säve eher der Nato für internationale Übungen zur Verfügung zu stellen, die sich verstärkt für Standorte in Schweden interessiert. Erst am 28. August 2014 hatte die schwedische Regierung dies durch einen Hilfsvertrag ermöglicht, einem Nebeneinstieg in die Nato, die von der Mehrheit der Schweden nach wie vor abgelehnt wird. Schweden ging mit dem Vertrag natürlich zusätzliche Risiken ein, da dadurch Schweden auch für Russland wieder zu einem wichtigen Ziel wird. Die regelmäßige Spionagetätigkeit des Landes für die USA kann man ebenfalls kaum als freundliche Geste zu Russland betrachten.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Freitag, 19. September 2014

Schreckromantische Landschaften im Göteborger Kunstmuseum

In seiner Ausstellung „Schreckromantische Landschaften“ zwischen dem 20. September 2014 und dem 25. Januar 2015 schlägt das Kunstmuseum in Göteborg eine Brücke von der Romantik zur teilweise surrealistischen Kunst, die man heute auf einigen Plattencovers, in Videospielen und Serienalben findet. Die Besucher des Museums können auf diese Weise Parallelen finden an die sie vermutlich nie dachten, da sie Kunst nur in chronologischer Ordnung vor sich sahen.

Döende urskog von August Cappelen (1827 - 1852), Nationalmuseum Oslo

Wer sich für Literatur interessiert, wird keine Sekunde daran zweifeln, dass Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame oder Mary Shelley‘s Frankenstein die Natur und Architektur mit Symbolen der Angst verbinden um Schreck zu verbreiten und gerade dadurch einen immensen Erfolg hatten, aber nur wenige Kunstliebhaber denken daran, dass Lars Hertervig, Marcus Larson und viele andere Künstler des 19. Jahrhunderts die gleiche Symbolik in der Kunst verwendeten und damit moderne Künstler der Gothic wie Kristian Wåhlin beeinflussten.

Wer die „Schreck-Werke“ aus zwei Jahrhunderten im Kunstmuseum Göteborg etwas genauer betrachtet, stellt sehr schnell fest, dass es bereits Künstlern der Romantik nicht immer wichtig war die Natur als Ideal zu sehen, sondern diese als drohende Gefahr darstellten in der schwarze Vögel ein Unglück ankündigen und ein Gewitter den Tod und der Untergang mit sich bringt. Dem Göteborger Museum ist es, dank einiger Leihgaben, gelungen diese Stimmung mit der Kunst der Gegenwart zu verbinden und Kunst zu einem zeitlosen Geschehen zu machen bei dem es unwichtig wird ob ein Bild in Öl gemalt wird oder am Computer entsteht, ob eine existierende Landschaft als Quelle gilt oder der Künstler die Idee in seinen Gedanken sucht.

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 18. September 2014

Niederlage für die Sozialdemokraten in Göteborg

Als gestern Abend sämtliche Stimmen zur Kommunalwahl in Göteborg gezählt waren, zeigte sich dass auch die Stimmen der Wähler aus dem Ausland und jener 3000 Personen, die am Sonntag noch nach 20 Uhr wählten, den Sozialdemokraten nicht die erhoffte Mehrheit im Stadtrat brachten und die Glanzzeit der Partei damit endgültig vorbei ist, eine Situation, die zum großen Teil Anneli Hulthén, die Vorsitzende des Stadtrats, zu verantworten hat, da sie nicht dazu bereit ist mit den Bürgern der Stadt eine Konversation einzugehen, sondern die eigenmächtige Führung ihres Vorgängers fortsetzt.

Nach dem endgültigen Ergebnis verfügt der linke Block nun über 40 der 81 Sitze und kann daher bei jedem ihrer Vorschläge von der Opposition blockiert werden. Nicht zu vergessen ist dabei allerdings auch dass die Linken Göteborgs über acht Sitze und die Feministische Initiative noch über drei Stimmen verfügen und beide Parteien nicht unbedingt auf der Linie der Sozialdemokraten und Grünen schwimmen, gewisse Spannungen daher auch im linken Block noch an der Tagesordnung sein können. Es ist daher an der Zeit, dass sich die Sozialdemokraten der Stadt einige Gedanken darüber machen warum sie von ihren bisherigen Wählern verlassen wurden.

Trotz prekärer Situation und dem Problem, dass damit die Schwedendemokraten in Göteborg an Einfluss gewinnen werden, will der linke Block nun die Führung der Stadt weiterhin übernehmen und voraussichtlich keine Neuwahlen ausrufen, da dies vor allem den Sozialdemokraten schaden würde, da Anneli Hulthén, trotz „verlorenem“ Volksbegehren, die Rechte der Bürger weiterhin in Frage stellt und den unsinnigen Eisenbahntunnel nicht neu überprüfen lassen will, vermutlich aus Angst, dass es bessere und billigere Lösungen gibt, die jedoch nicht mit ihrem Traum zu vereinbaren sind.

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 17. September 2014

Eine neue Brücke für Göteborg

In der ersten Instanz wurde der Stadt Göteborg vom Umweltgericht ein Geschenk überreicht, denn nach dem Urteil darf die neue Hisingsbron, eine Brücke vom Stadtzentrum zur Insel Hisingen, mit einer freien Höhe von nur 12 Meter gebaut werden, wenn auch unter mehreren Auflagen, die eine genaue Dokumentation über Öffnungen, Behinderungen der Seefahrt und Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs erfordern. Das Urteil heißt nun für die Stadt die Planung und Vorbereitung fortzusetzen, obwohl noch ein Berufungsverfahren aussteht, das Göteborg verlieren lassen kann.


Da das Umweltgericht auch entschieden hat, dass die Brücke jede Stunde einmal für den Schiffverkehr geöffnet werden muss damit die gegenwärtig rund 15 Handelsschiffe täglich einen Zugang zum Meer haben, beunruhigt den Stadtrat kaum, auch wenn dies mit langen Schlangen an Autos, Bussen und Straßenbahnen verbunden sein kann. Und abgesehen davon, dass die Bürger der Stadt die Citymaut abschaffen wollen, was wiederum bedeutet, dass die Kosten für die geplante Brücke nicht mehr abgesichert sind, sondern bald rund zwei Milliarden Kronen fehlen werden.

Die Frage ist natürlich auch wie die nächste Instanz entscheiden wird, da das Seefahrtsamt Einspruch gegen das Urteil einlegte, denn die Schifffahrt auf dem Göta älv soll ausgebaut werden und die Schiffe werden zudem immer größer. Die niedrige Brücke Göteborgs wird allerdings auch von der Region kritisiert, die nicht nur das persönliche Interesse Göteborgs sieht, sondern das wirtschaftliche Interesse der gesamten Region im Auge hat. Aber auch das „positive“ Urteil der ersten Instanz hat einen kleinen Haken, den man in Göteborg gerne überliest, denn die Stadt muss nach fünf Jahren Brückenbenutzung auch nachweisen, dass die Seefahrt von der niedrigen Brücke nicht beeinträchtigt wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 16. September 2014

Drei Wahlgewinner in Göteborg

Auch wenn die großen Parteien Göteborgs bei den Kommunalwahlen ein etwas langes Gesicht machen mussten, da sie während der letzten vier Jahre teilweise sehr viele Stimmen verloren haben, so gab es drei Gewinner, nämlich die Feministische Initiative, die erstmals im Stadtrat Platz nahmen wird, die Sverigedemokraterna, die die Anzahl ihrer Sitze in Göteborg verdoppeln konnten und die Vägvalet, die zwar keinen zusätzlichen Kandidaten in den Stadtrat brachte, jedoch erreichte dass eine bedeutende Mehrheit der Bürger der Stadt die Citymaut abschaffen will.

Auch wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind, so zeichnet sich deutlich ab, dass die Sozialdemokraten, die Herrscher der Stadt seit 20 Jahren, fünf Plätze verloren haben und der linke Block daher nicht mehr über die absolute Mehrheit verfügt. Genau genommen fehlt den Linken, Feministische Initiative und Linke eingerechnet, in Zukunft eine einzige Stimme, was bedeutet, dass entweder die Sverigedemokraterna oder die Vägvalet, die beide die Tendenz haben für den rechten Block zu stimmen, in Zukunft sehr viele Entscheidungen der Stadt kippen können, eine Situation mit der die Vorsitzende der Stadtrates, Anneli Hultén, nicht gerechnet hat.

Noch problematischer sieht es für Göteborg nun mit den hochgeschraubten Ideen zur Citymaut und dem Infrastrukturpaket aus, denn knapp 57 Prozent der Göteborger wollen die Citymaut sofort abschaffen. Bei einer so deutlichen Aussage wird es schwierig sich gegen die Wähler zu stellen, was sowohl die Moderaterna als auch die Grünen verstanden haben, denn beide Parteien überdenken nun den nächsten Schritt. Lediglich Anneli Hulthén gibt sich ungeschlagen und scheint keine klare persönliche Meinung von sich geben zu wollen, denn sie beharrt darauf, dass die Entscheidung nur im Parlament getroffen werden kann. Diese engstirnige Haltung kann bei den nächsten Wahlen, oder einer eventuell notwenigen Neuwahl, den Sozialdemokraten zum Verhängnis werden.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Montag, 15. September 2014

Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen in Göteborg

Während der Ansturm der Wähler in Göteborg dieses Jahr weitaus größer war als während der letzten Wahlen, selbst in Stadtteilen, die sich immer durch eine extrem geringe Wahlbeteiligung auszeichneten, hatte sich die Stadt entschlossen einige Wahllokale 90 Minuten länger als vorgesehen offen zu halten und noch jeden wählen zu lassen, der vor 20 Uhr eine Nummer gezogen hatte, zeigten sich gleichzeitig einige Probleme, die das Ergebnis der Wahlen in Göteborg in Zweifel ziehen können.

Mehrere Wähler mussten nämlich feststellen, dass ihr Name bei Ankunft im Wahlraum bereits abgehakt war und in ihrer Spalte eine Nummer stand nach der sie bereits gewählt hatten, obwohl sie ihren Wahlzettel noch in der Hand hielten. Während das Wahlamt der Stadt das Ganze mit menschliches Versagen erklärt, so ist es jedoch auch möglich, dass jemand unter falschem Namen gewählt hat um, zum Beispiel, einer bestimmten Partei einen Vorteil zu bieten oder die Volksbefragung zur Citymaut zu beeinflussen.

Die betroffenen Wähler wurden natürlich abgewiesen, obwohl es die Möglichkeit gibt seine frühere Abstimmung für ungültig zu erklären und neu zu wählen. Die einzige Alternative bleibt nun leider eine Klage mit sehr zweifelhaftem Ausgang. Auch wenn es sich nicht um sehr viele Personen handelt, die bisher in Göteborg von einem Wahlbetrug betroffen sind, so stellt sich natürlich die Frage wie viele Personen, die nicht an die Urnen eilten oder krank zu Hause liegen, abgestimmt haben ohne eines der Wahllokale von innen betrachtet zu haben.

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 14. September 2014

Göteborg hintergeht Wahlgesetz zur Citymaut

Obwohl die Mehrheit der Politiker Göteborgs ohnehin längst entschieden haben die Citymaut beizubehalten, selbst dann, wenn die Mehrheit der Bürger beim heutigen Volksentscheid zum „Nein“ tendieren sollte, lassen sie keine Möglichkeit ungenutzt um eine demokratische Entscheidung zu verhindern, wobei die etwas lächerliche Fahrraddemonstration des Stadtrates am gestrigen Samstag dabei nicht gerechnet werden kann, denn in der Tat darf nicht jeder wahlberechtigte Göteborger über die Fortsetzung der Citymaut entscheiden.

"Wir halten was wir versprechen", Wahlplakat 2014

Wer sich am heutigen Sonntag nicht in seinem Heimatort aufhält, hinsichtlich des Volksbegehrens um die Citymaut also in Göteborg, konnte seit zwei Wochen an jedem anderen Ort Schwedens an bestimmten Stellen vorzeitig seine Stimme abgeben, eine Möglichkeit, die nahezu die Hälfte aller schwedischer wahlberechtigter Einwohner nutzte. Das Problem war lediglich, dass man im modernen Schweden  die Wahlzettel zur Citymaut nur im engsten Raume Göteborgs zur Verfügung stellte und bereits in Randgemeinden die entsprechenden Zettel fehlten. Dass Internet, Datenübertragung und Drucker existieren um diese Zettel innerhalb von Sekunden an der gefragten Stelle finden zu können, kam der Stadt, die die elektronische Wahl einführen will, nicht in den Sinn.

Natürlich konnte man die Zettel für die Abstimmung mit an jeden anderen Wahlort nehmen und dort abgeben, diese also vorher beim Wahlamt der Stadt abholen, nur dass kaum ein Bürger der Stadt darüber informiert war. Es wäre auch einfach gewesen die entsprechenden Wahlzettel rechtzeitig in die Briefkästen der Bewohner Göteborgs zu stecken, eine Methode zu der mehrere Parteien des Landes griffen, aber da die Stadt nicht daran interessiert ist, dass die Entscheidung zur Citymaut in irgendeiner Weise auf demokratische Weise zugeht, wollte man natürlich darauf verzichten und verteilte in dieser Zeit lediglich eine städtische Zeitschrift, die die Stadt in vorteilhafter Weise zeigen soll. Mit etwas gutem Willen hätte man dort den Citymaut-Wahlzettel beilegen - oder einfach, zum Ausschneiden, abdrucken können.

Copyright: Herbert Kårlin