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Montag, 17. Februar 2014

Lärm gehört in Göteborg zum Wohnstandard

Ein Hauswirt in Göteborg, der einer Familie mit Kindern den Untermietvertrag nicht mehr verlängern wollte weil sich Nachbarn über den Lärm beschwert hatten, den die Kinder beim Spielen machten, musste vor dem Mieteramt der Stadt nun eine Schlappe einstecken und den Untermietvertrag verlängern, da Lärm in etwas älteren Häusern Göteborgs als „normal“ betrachtet wird.

Angestellte des Mieteramts waren wegen der Angelegenheit in die am meisten vom Lärm betroffene Wohnung eines Altbaus gegangen um die Lärmbelastung vor einer Entscheidung selbst beurteilen zu können. Sie konnten in der Tat feststellen, dass man die spielenden Kinder sehr deutlich, teilweise auch sehr lautstark, hören konnte und selbst der Kronleuchter zu klirren begann als die Kinder hüpften oder Ball spielten, aber nach den Angestellten ist dies keine unzulässige Störung, sondern ein Normalzustand bei Altbau.

Nach dem Argument des Amtes muss man bei Altbauten mit dieser Art von Lärm, aber auch mit lauter Musik oder lautem Fernsehen, rechnen. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht vergessen, dass es in Schweden kein Gesetz zur Ruhestörung gibt, da es sich bei Lärm um eine Toleranzfrage handelt und die Stadt Göteborg zudem plant die Bestimmungen zum Lärmschutz auch in Neubauten zu lockern, da man in Zukunft auch direkt an Schnellstraßen Wohnblocks errichten will.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 1. Februar 2014

Der Stadtteil Gårda bleibt teilweise erhalten

Der Kampf der Bewohner des Göteborger Stadtteils Gårda zeigt nun Erfolg, zumindest teilweise, denn die Mehrheit des Stadtrats hat nun dem Plan zugestimmt etwa die Hälfte der Altbauten, überwiegend historisch interessante Landshövdingehus, zu erhalten und die ursprünglichen Pläne neu zu überarbeiten, denn geplant war den gesamten Altbauteil dem Erdboden gleichzumachen um Parkplätze zu schaffen und das Gebiet an die Messe und das Scandinavium anzuschliessen.

Gårda ist jedoch nicht nur wegen seinen in Göteborg einmaligen Bauten von Interesse, sondern es handelt sich dabei auch um das letzte zentrale Gebiet mit geringen Mieten und einen Stadtteil, der sich noch mehr als Dorf als als Stadt sieht. Da der Standard in den meisten Gebäuden gegenwärtig als absolut minimal betrachtet werden muss, wohnen hier vor allem Personen mit sehr geringem Einkommen und teilweise Studenten.

Ob die Bewohner der Häuser allerdings auch in Zukunft in Gårda bleiben können, zumindest die Hälfte unter ihnen, ist ebenfalls noch nicht sicher, auch wenn die Stadt dies noch verspricht, denn in der Tat sollen nun sämtliche Gebäude restauriert und teilweise auch modernisiert werden. Die Kosten dieser Arbeiten werden selbstverständlich auf die Miete geschlagen. Es bleibt daher abzuwarten wie viel in den historischen Altbauten restauriert und modernisiert wird, denn sollte die Miete um 30 bis 40 Prozent steigen, so werden sehr viele der Bewohner auch ohne Abriss ausziehen müssen.

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 22. Dezember 2013

Immer mehr Mieter werden aus Göteborg verdrängt

Nachdem die Gerichte Schwedens bisher der Meinung sind, dass Renovierungen und vor allem Modernisierungen von Wohnungen nicht von Rücklagen von bereits bezahlten Mieten bezahlt werden müssen, sondern die Mieter diese Kosten übernehmen müssen, auch wenn sie bei dieser Entscheidung nicht mitreden dürfen, werden immer mehr Mieter dazu gezwungen ihre teilweise recht günstigen „Altbauwohnungen“ aus den 60er Jahren zu verlassen.

Der neueste Fall betrifft nun 80 Mieter in Backa Röd auf Hisingen, die bei ihrem Vermieter Poseidon gegenwärtig für eine Wohnung mit 80 Quadratmeter 5200 Kronen pro Monat bezahlen. Poseidon will das Gebäude nun energiesparend modernisieren und  durch zwei zusätzliche Stockwerke insgesamt 140 Wohnungen schaffen deren Miete grundsätzlich um 80 Prozent über dem heutigen Preis liegen wird, nach Poseidon also dem Marktpreis entsprechen. 79 der 80 Mieter haben sich bereits entschlossen auszuziehen, da sie die neuen Mieten von nahezu 10.000 Kronen pro Monat nicht tragen können.

Grund für diese Entwicklung in Göteborg sind die extreme Wohnungsnot und die mangelnde Bauaktivität in Göteborg, insbesondere von Seiten der städtischen Unternehmen. Auf Grund diesen Problems suchen sehr viele Personen mit höherem Einkommen eine Wohnung der gehobenen Klasse. Dies führt jedoch andererseits dazu, dass immer mehr einkommensschwache Personen auf den bisherigen Komfort verzichten müssen und in sehr vielen Fällen dazu gezwungen sind eine Wohnung weit außerhalb Göteborgs zu suchen und bei einer Renovierung die bisherige Wohnung verlassen müssen.

Copyright: Herbert Kårlin