Samstag, 7. Juli 2012

Das Mittelmeer-Petermännchen an der Westküste

Das Mittelmeer-Peterchen, das zu den Barschen gehört, ist, trotz des freundlichen Namens und Aussehens, einer der giftigsten Fische Europas, denn auch wenn sein Gift nur selten tödlich ist, so können die Stiche sehr starke Schmerzen verursachen, die tagelang nicht verschwinden und langwierige Nebenwirkungen zeigen. In Frankreich, wo der Fisch als Spezialität gilt, darf er nur ohne Stacheln verkauft werden, da das Gift auch bei toten Tieren noch lange wirksam ist.

Auch wenn bisher nicht untersucht wurde, warum das Mittelmeer-Petermännchen sich bis Skandinavien verirrte, so hat sich sein Bestand an der schwedischen Westküste während der letzten 20 Jahre verzehnfacht und beginnt für Fischer und Badegäste eine ernsthafte Gefahr zu werden. Jedes Jahr ziehen die Fische, die in der Ostsee noch sehr selten sind, weiter nördlich entlang der Küste des Bohuslän. Vor allem die letzten fünf Jahre zeigten die Fjärsingen auch eine immer größere Liebe zu den Badestränden.

Die Gefahr der Petermännchen, die bis zu 53 Zentimeter lang und 1,8 Kilogramm schwer werden können, besteht darin, dass sie sich tagsüber im Sand oder Schlamm eingraben und daher nicht sichtbar sind, ihr Stich dann jedoch um so schmerzhafter zu spüren ist. Das Gift wird bei jeder Berührung des Fisches automatisch injiziert und gilt als das Verteidigungssystem der Fjärsingen. Wer daher an der Westküste baden gehen will, sollte ab diesem Jahr seine Badeschlappen nicht vergessen.

Herbert Kårlin

Freitag, 6. Juli 2012

Hasselblad kehrt zurück nach Göteborg

Im Jahre 1948 wurde in Göteborg die erste Hasselblad-Kamera angeboten, die sich innerhalb von zwei Jahren zu einer Spitzenkamera im Mittelformat entwickelte und weltweit als Referenz betrachtet wurde. Nachdem sich ab 1976 der Eigner mehrmals änderte, fusionierte das Unternehmen 2004 dann schliesslich mit Imacon A/S in Dänemark um die Kameras dem aktuellen digitalen Markt anzupassen. Im Juni 2011 wurde Hasselblad dann vom deutsch-schweizer Risikokapitalunternehmen Ventizz aufgekauft.

Nun hat sich Ventizz dazu entschlossen das Unternehmen Hasselblad wieder in seiner Gesamtheit nach Göteborg zu verlegen. Sowohl die Produktion der Kameras, der technische Support also auch der Reparationsdienst werden in den kommenden Wochen zurück in den Göteborger Stadtteil Hisingen kehren. Nur ein kleiner Teil der Entwicklung wird sich auch in Zukunft noch in Kopenhagen befinden.

Im Zusammenhang mit dem Umzug nach Göteborg wurden bereits 29 Angestellte in Dänemark gekündigt. Nach dem Geschäftsführer Hasselblads wird der Umzug nach Göteborg dem Unternehmen wieder seinen ursprünglichen Standort garantieren und auch für schnellere Entscheidungen sorgen, da damit aus zwei Unternehmen wieder eine zentralisierte Firma wird. Das Personal für Hasselblad-Göteborg ist bereits einsatzbereit, wobei die Firma damit rechnet in naher Zukunft noch einige zusätzliche Arbeitsplätze auf Hisingen bieten zu können.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 5. Juli 2012

Bootsstege und Seebuden im Västra Götaland

So mancher, der sich in den letzten Jahren im Västra Götaland einen Bootssteg gebaut hat, eine kleine Seebude am Strand errichtete oder diese gar für eine Sommervermietung eingerichtet hat, kann in den kommenden Wochen eine böse Überraschung erleben, falls er sich keine Genehmigung dafür geholt hat für die er, wegen dem Strandschutz, sehr bedeutende Gründe vorbringen musste.

Als erstes werden die Regionalregierung des Västra Götaland nun, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Orust, die Strände der nördlichen Schären Göteborgs genauer ansehen, da insbesondere auf beiden Seiten des Lyrosundes in den letzten Jahren einige Veränderungen sichtbar wurden, die auf keiner offiziellen Karte entdeckt werden können. Die Arbeit allein in diesem Raum ist so bedeutend, dass die Regionalregierung mit mehreren Monaten Beschäftigung rechnet.

Jeder illegale Bau wird bei der Polizei zur Anzeige gebracht, wobei es dann am Staatsanwalt liegt die Sache zu verfolgen oder nicht. Aber selbst wenn die Sünder nicht vor Gericht geladen werden, so kann der Schwarzbau eine teure Angelegenheit werden, denn alles, was ohne Genehmigung gebaut wurde, muss abgerissen werden. Und wer um eine Gefängnisstrafe herumkommt, muss eine sehr hohe Strafe bezahlen, selbst wenn der Bootssteg oder die Seebude in gutem Glauben errichtet wurde.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 4. Juli 2012

Liseberg erneut unter Beschuss

Obwohl der Göteborger Vergnügungspark Liseberg seinen „Quick Pass“ bereits 2010 einführte, der es den Besitzern einer Tageskarte mit Zugang zu allen Attraktionen gegen eine Sondergebühr von 50 Kronen ermöglichte bei den beliebtesten Attraktionen das Schlange stehen zu vermeiden, taucht dieses Jahr erstmals Kritik zu diesem System auf, das Kinder reicher Eltern über die Kinder von armen Eltern stellt und ihnen bereits in jungen Jahren erklärt, dass man nur mit Geld etwas erreichen kann.

Ein Artikel in der Tageszeitung GP brachte diesen Stein ins Rollen, der nun die Gemüter der Göteborger aufrührt und selbst so manchen reichen Göteborger dazu bringt über die Ungerechtigkeit in einem kapitalistischen System nachzudenken. Gemeinnützige Organisation, die die Rechte der Kinder vertreten, weisen darauf hin, dass Liseberg für viele arme Kinder bereits ein Traum ist, den ihnen die Eltern nicht erfüllen können und die Geschäftsleitung des Parkes nun auch noch die anderen Kindern, die sich gerade einmal den Eintritt erlauben können, vor den Kopf stößt und sie durch Reichen-Privilegien in die untergeordnete Rolle drängt.

Wie bereits bei vorherigen Problemen mit Liseberg, das der sozialistisch geleiteten Stadt Göteborg gehört, so findet Göran Johansson, der im Aufsichtsrat von Liseberg sitzt und lange Jahre über der Vorsitzende war, das System nicht als gerecht, aber er erinnert sich nicht daran mit über den Quick Pass entschieden zu haben oder, vor der Veröffentlichung in GP, überhaupt von seiner Existenz gewusst zu haben, obwohl die Werbung sehr deutlich ist. Zu einer konkreten Stellungsnahme war Johansson gegenüber der GP nicht bereit, wobei sich allerdings auch der Geschäftsführer Lisebergs Bedenkzeit für eine Antwort erbeten hat.

Herbert Kårlin

Dienstag, 3. Juli 2012

Västra Götaland und Göteborg setzen auf Politik

Unter allen schwedischen Regionen investiert das Västra Götaland am meisten in eine Präsenz bei der Almedalveckan auf Gotland. Insgesamt 800.000 Kronen an Steuergeldern gehen in das Projekt Almedalen, wo die Region 17 Seminare zu unterschiedlichen Themen anbietet und hofft bedeutende Kontakte schließen zu können, die durch eine normale und regelmäßige Arbeit nicht geschlossen werden können. Die Region will sich zeigen.

Inwieweit eine Region, die voriges Jahr einen  Unterschuss von 400 Millionen Kronen hatte und die im kommenden Jahr die Steuern erhöht um das Budget halbwegs ausgleichen zu können, Gelder in eine Präsenz auf Gotland setzen soll, bleibt dahingestellt, aber zeigt, dass sich die Regionalpolitiker im Västra Götaland nicht für den Bürger interessieren, sondern sich deutlich sichtbar machen wollen und ihre Projekte in Schweden bekannt machen müssen, da man sonst sein Auge nicht nach Westschweden richtet.

Das Västra Götaland hat sich dieses Mal, was eigentlich die Kosten drücken sollte, zu einem gemeinsamen Auftritt mit der Stadt Göteborg, der Technischen Hochschule Chalmers, der Göteborger Universität und der Handelskammer der Region entschieden, was die gemeinsamen Punkte der Region in den Vordergrund stellen soll. Bleibt abzuwarten, ob die sozialdemokratische Führung der Region anschließend auch Erfolge melden kann, die 800.000 Kronen wert sind oder ob nur die politische Sprache bleibt.

Herbert Kårlin

Montag, 2. Juli 2012

Kostenlose öffentliche Toiletten in Göteborg

Bald müssen Göteborger und die Besucher der Stadt nicht mehr nach den wenigen kostenlosen öffentlichen Toiletten suchen oder sich mit 5-Kronen-Stücken für die Notfälle ausrüsten, sondern können, zumindest in zentraler Lage, kostenlos eine Toilette besuchen und müssen sich dabei nicht einmal mehr Gedanken über die Frage der Hygiene stellen, denn schon bald folgt Göteborg einem Konzept, das sich bereits in Stockholm, Västerås und Sollentuna bewährt hat.

Das französische Unternehmen Decaux, das bereits die Leihfahrräder Styr & Ställ in Göteborg verwaltet, wird in den nächsten Wochen die ersten 15 Bezahlt-Toiletten im Zentrum der Stadt aufbauen, wobei diese mit der modernsten Technik ausgestattet sein werden, denn die Türen öffnen sich nach 20 Minuten automatisch, falls man eingeschlafen sein sollte, und jeder Akt der Zerstörung wird unmittelbar von Sensoren festgestellt, die dann ein Alarmsystem auslösen. Die Überwachung erfolgt Tag und Nacht, wobei sämtliche Meldungen zur Sicherheit und der Hygiene direkt an die Zentrale weitergeleitet werden.  

Nach jedem Besuch wird der Toilettensitz durch eine vollautomatische Einrichtung gewaschen und der Boden der Kabine gespült, was den Besuch der öffentlichen Toiletten in Göteborg nicht nur angenehmer macht, sondern auch zu einem erhöhten Besuch führen wird. In Västerås konnte man feststellen, dass die Toiletten nach der Umrüstung Tag und Nacht besucht wurden und sich die Anzahl der Besucher verfünffacht hat. In Göteborg rechnet man daher mit 500.000 kostenlosen Toilettenbesuchen im ersten Jahr und einer Reduzierung der Schäden sowie den unrechtmäßigen Verunreinigungen bestimmter Stellen der Stadt, die bisher täglich mit Vanillewasser gereinigt werden mussten, damit Göteborger und Besucher an den gefährdeten Stellen auch ihr Butterbrot ohne Geruchsbelästigung essen konnten.

Herbert Kårlin

Sonntag, 1. Juli 2012

Die letzte Reise der Götheborg


Am 30. Juni 2012 kurz vor ein Uhr verließ der Ostindiensegler Götheborg eventuell die Stadt Göteborg zu seiner vielleicht letzten Reise, die den Dreimaster nun noch nach Holland, Deutschland und Frankreich führen wird. Der Traum von einer Reise nach London oder gar nach Amerika hat sich nun, mangels Sponsoren und Nachragen mach dem Schiff entgültig zerschlagen, nicht zuletzt auch deswegen, weil sich die Svenska Ostindiska Companiet (SOIC) zu wenig um das Marketing des Schiffes gekümmert hat.

Verglichen mit der ersten Reise, die die Götheborg im Jahre 1005 nach China führte, war das Interesse an der Abfahrt im Jahre 2012 sehr gering und nur wenige Boote begleiteten die Götheborg bis zu den Schären vor der Stadt. Der Enthusiasmus der Führungsschicht der SOIC hat sich noch bis 2012 zu sehr von Gefühlen leiten lassen als sich von den Erwartungen von Stadt, Touristen oder auch ökonomischen Notwendigkeiten leiten zu lassen, was nun zum Todesurteil der Götheborg führen kann.

Noch 2011 hat die Stadt Göteborg und die Region Västra Götaland 30 Millionen in die Götheborg gesetzt, in der Hoffnung, dass der Ostindiensegler dafür zumindest während der Olympiade in London seine Präsenz zeigen wird und damit Werbung für die Stadt Göteborg machen kann. Nun hat die SOIC nur noch wenig Zeit die Bedeutung der Götheborg zu beweisen, denn 2013 geht das Schiff an die Stadt Göteborg über und die Stadtverwaltung ist weit davor entfernt das Schiff als kulturhistorisches Gut zu betrachten, sondern erwägt selbst den Verkauf des Seglers, auch wenn er dadurch zu einem Restaurant an einem touristischen Ort wird.

Herbert Kårlin