Mittwoch, 30. September 2009

In Göteborger Altersheimen regieren Psychopharmaka

Die Alterheime Göteborgs können zwei wenig rühmlichen Rekorde in Schweden aufweisen. Es wird landesweit am meisten an Personal gespart und die älteren Menschen werden am meisten mit Drogen still gestellt. Zwei Rekorde, die jedoch vermutlich zusammenhängen und der Sozialpolitik der Regierung Göteborgs anzulasten sind.

Die Situation ist leider nicht ganz neu und in vielen Altersheimen scheint es normal zu sein, seinen Bewohnern am Tag drei bis vier beruhigende Pillen, sprich Psychopharmaka, zu geben. Die Probleme sind nicht in allen Stadtteilen gleich groß, denn in Askim und Härlanda spart man am meisten Personal ein, während in Högsbo, Majorna und Älvsborg der Medikamentenmissbrauch am höchsten ist. Vom Gleichheitsprinzip ist daher in manchen Teilen Göteborgs wenig zu spüren.

Marina Johansson, die sozialistische Verantwortliche für Heimdienst und Altersheime in Göteborg, sieht kaum Probleme wegen eines Personalmangels und sieht die Fehler mehr bei den Geschäftsführern der Altersheime. Über den Tablettenmissbrauch ist sie seit langem informiert, wobei, nach ihrer Aussage, innerhalb der Stadtpolitik ein Strategie dagegen vorgesehen ist, auch wenn bisher niemand diese Strategie zu kennen scheint.

Herbert Kårlin

Dienstag, 29. September 2009

Notarzt und Rettungswagen kommen oft zu spät in Göteborg

Obwohl die Bevölkerung Göteborgs jedes Jahr steigt befinden sich immer weniger Rettungswagen in der Stadt und die vorgegebene maximale Anfahrtszeit bei Notfällen von 10 Minuten ist nur noch in den wenigsten Fällen garantiert. Bisweilen dauert eine Fahrt auch 20 Minuten oder, falls es sich um eine Risikozone handelt, muss erst einmal Polizeischutz angefordert werden.

Während Göteborg im Jahre 1999 noch über 20 Rettungswagen verfügte, findet man heute nur noch 17 Fahrzeuge im Stadtraum, wobei besonders der Nachtbetrieb zwischen 2 Uhr und 7 Uhr betroffen ist, denn im Stadtteil Angered mit hoher Ausländerquote steht nachts gar kein Notarztwagen mehr zur Verfügung.

Kein Wunder, dass dieses Jahr bereits mehrere Tote zu beklagen sind, weil ein Rettungswagen mit Notarzt zu spät kommt, oder wie in einem Extremfall, ein Arzt auf seinen Dienstschluss beharrte und den Einsatzwagen verließ, obwohl seine Hilfe dringend nötig gewesen wäre.

Herbert Kårlin

Montag, 28. September 2009

Neue Regelungen reduzieren die nachts offenen Jourcentralen (Bereitschaftszentralen) in Göteborg

Ab 1. Oktober tritt die schwedische Gesundheitsreform in Kraft, was sich in Göteborg negativ auf die nachts offenen Jourcentralen (Bereitschaftszentralen) auswirkt. Voraussichtlich werden in ganz Göteborg nur noch zwei, statt vier, Zentralen rund um die Uhr offen sein.

Die Gesundheitsreform hat die Wahl einer Bereitschaftszentrale und die Öffnung von privaten medizinischen Diensten ermöglicht und die Privatdienste in des staatliche System eingebettet. Dies wird, auch wenn nur eine relativ geringe Anzahl von Göteborgern diese Wahlmöglichkeit tatsächlich nutzten, die medizinische Versorgung in zahlreichen Stadtteilen ab Oktober verbessern, da einige Zentren nun auch über Fachärzte verfügen, die früher nur über eine Überweisung zugängig waren.

Da jedoch bei dieser Reform auch die Anzahl der Ärztehäuser erheblich stieg sind einige der früheren staatlichen Bereitschaftszentralen nun nicht mehr in der Lage einen Dienst rund um die Uhr zu gewährleisten und selbst die Anzahl jener, die bis 22 Uhr offen haben wird sich nach unten entwickeln. Die Qualität der Leistung hängt damit mehr denn je vom Stadtteil ab in dem man wohnt und von der Entwicklung der privaten Jourcentralen.

Herbert Kårlin

Sonntag, 27. September 2009

Erste internationale Konferenz über Ablenkung und Unaufmerksamkeit beim Autofahren

Am 28. und 29. September finden im Lindholmer Science Park in Göteborg die First International Conference on Driver Distraction and Inattention (Erste internationale Konferenz über Ablenkung und Unaufmerksam beim Autofahren) statt. Als Organisator dieser Konferenz zeichnet die Technische Hochschule Chalmers in Göteborg.

Etwa 20% aller Unfälle beruhen auf Ablenkung und 80% auf Unaufmerksamkeit des Autofahrers. Grund genug also die Gründe für diese Ablenkungen und die Unaufmerksamkeit zu analysieren, um anschließend Methoden zu finden, die den Fahrer zu mehr Aufmerksamkeit zwingen, die Unfallstatistik reduzieren und die Verkehrssicherheit zu verbessern.

Während der beiden Tage der Konferenz treffen sich nun erstmalig Wissenschaftler aus mehreren Ländern, die sich mit Verkehrssicherheitsfragen, Simulation und Verkehrstraining beschäftigen um die gegenwärtige Situation zu durchleuchten und um die gemeinsame Erfahrung der verschiedenen Länder unter einen Nenner zu bringen.

Herbert Kårlin

Samstag, 26. September 2009

Buchmesse gegen Modeschau in Göteborg

Am Samstag und Sonntag haben Göteborger und die Besucher der Stadt noch eine letzte Chance günstig Bücher auf der Buchmesse erwerben zu können, selbst wenn dort nicht jedes Angebot günstiger ist als beim Online-Kauf. So einige Neuausgaben liegen jedoch, da Schweden keine Preisbindung kennt, auch bis zu 10% unter dem billigsten aktuellen Angebot.

Wer noch den einen oder anderen Autor treffen will oder auch nur Bücher von Kleinst- und Selbstverlegern ansehen will hat ebenfalls nur noch dieses Wochenende zur Verfügung oder muss ein Jahr auf die nächste Buchmesse warten.

Aber schon am Freitag Nachmittag bekam die Buchmesse eine starke Konkurrenz, denn sowohl in Nordstan als auch in den Modeläden des Frölunda Torg begannen die Herbstmodeschauen bei denen kaum eine modebewusste Frau fehlen will. Vor allem am Samstag schließt eine Modeschau fast schon an die andere an und scheidet daher Buchinteressierte und Modeinteressierte. So manchem wird die Wahl dabei schwer werden.

Herbert Kårlin

Freitag, 25. September 2009

Bok & Bibliotek, eine Buchmesse nicht nur für den Handel

Die Buchmesse Bok & Bibliotek in Göteborg ist nicht nur eine Messe bei der sich Buchproduzenten und Buchverkäufer, der Buchhandel, treffen, es sind auch hunderte von, vor allem schwedischen, Autoren anwesend, die Rede und Antwort geben und dem Buch die Unpersönlichkeit anderer Messen nehmen. In Göteborg bekommt fast jedes Buch auch ein Gesicht, das über den Klappentext weit hinausgeht.

2009 befinden sich 895 Aussteller auf dem Messegelände, wobei auch Aussteller vorhanden sind, die auf der Messe graphische Drucke vorführen oder die neueste Technik in und für Bibliotheken erklären, da das Buch ja nicht nur ein Handels- und Leseobjekt ist, sondern sich auch mit den neuen Techniken entwickelt und auf andere Bereiche einwirkt. Das Leseverhalten ändert sich, Bücher werden angehört und die Frage nach Copyrightschutz ändert sich ebenfalls mit der Computertechnik. All dies wird bei Bok & Bibliotek berücksichtigt und bleibt nicht nur Hintergrundarbeit.

Dieses Jahr beteiligen sich 27 Länder an der Göteborger Buchmesse, wobei Spanien im Fokus steht. Aber noch bevor die diesjährige Messe abgeschlossen ist steht schon das Thema des nächsten Jahres fest. Die nächste Attraktion kommt aus Afrika, denn 2010 werden afrikanische Autoren die Besucher der Messe mit ihrer Literatur, die eine immer bedeutendere Rolle in der Weltliteratur einnimmt, verführen.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. September 2009

Die 25. Göteborger Buchmesse (Bokmässan) öffnet ihre Pforten

Pünktlich um 9 Uhr öffnet die Göteborger Buchmesse (Bokmässan) für vier Tage ihre Pforten den Hunderttausend Besuchern und den hunderten von Autoren aus mehreren Ländern. 2300 Programmpunkte warten darauf von den Besuchern entdeckt zu werden, wobei die Frage nicht sein wird wo man teilnehmen will, sondern vielmehr was man als wichtiger betrachtet und was man mit Bedauern nicht besuchen kann.

Bereits am ersten Tag finden zwischen 10 Uhr und 17.45 Uhr vierzehn runde Tische zu "spanischen" Themen statt, die nicht nur Bücher betreffen, sondern auch die Aussagekraft von Fotografie, spanische Tradition oder die politische Verwandlung Spaniens. Ein Höhepunkt ist sicher auch der Moment wenn Rosa Montero um 10 Uhr 20 über ihre Bücher spricht.

Aber auch Finnlands Arena bietet am Donnerstag 10 runde Tische, die sowohl die finnisch-schwedische Literatur als auch die vergangenen Epochen der beiden Länder behandeln. Um 15 Uhr 30 wird, zum Beispiel, die Frage aufgeworfen wie man erreichen kann, dass mehr finnische Literatur ins Schwedische übersetzt wird.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages werden die fünf Lesungen mit dem Thema Rum för poesi, Platz für Poesie, mit dänischen, schwedischen, spanischen und südkoreanischen Lyrikern sein.

Herbert Kårlin