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Dienstag, 28. Januar 2014

Behinderte in Göteborg werden vergessen

Seit Ende 2010 sollten nach dem Plan Göteborgs alle Behinderten der Stadt einen freien Zugang zu allen öffentlichen Gebäuden und allen öffentlichen Einrichtungen des Freizeitbetriebs haben. Aber bis heute ist in diesem Punkt kaum etwas geschehen, zumal einige Stadtteile noch nicht einmal untersucht haben welche Hindernisse dieser ohnehin vernachlässigten Gruppe an Göteborgern im Wege stehen um in Gebäude zu kommen.

Nach dem lokalen Staatsradio P4 sind bisher gerade einmal etwa zwei Prozent aller Barrieren, zum Beispiel Stufen, beseitigt worden und niemand weiß wann und wie diese Arbeit fortgesetzt wird, obwohl es hier nur um den Willen der städtischen Angestellten und des Stadtrates geht und nicht um das Budget, da sämtliche Arbeiten voraussichtlich nicht mehr als 30 Millionen Kronen kosten werden, eine Summe mit der man seit Jahren rechnete.

Da die Regierung nun ein Gesetz vorbereitet, das die Unzugänglichkeit jedes Gebäudes durch Behinderte als Diskriminierung bewertet, muss sich Göteborg nun beeilen die Arbeiten etwas zu beschleunigen. Geradezu als Ironie kann man dabei betrachten, dass Göteborg vor kurzem einen Preis für seine enorme Leistung der Zugänglichkeit für Behinderte erhielt, aber der Preis war ja auch nur für die geplanten Projekte vergeben und planen kann Göteborg sehr gut, auch wenn das Ergebnis dann oft auf sich warten lässt.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 24. September 2013

Wenige Romakinder lernen in Göteborg ihre Muttersprache

Obwohl Göteborg zu den Pilotstädten gehört, die verstärkt daran arbeiten, dass Roma einerseits in der Gesellschaft integriert werden, aber andererseits auch mit ihrer Herkunft und ursprünglichen „Nationalität“ akzeptiert werden, wollen etwa 90 von 140 Roma-Grundschülern in der Schule nicht Romani lernen. Nachdem die Schulleitung sämtliche Eltern persönlich kontaktierte, zählt man im Jahre 2013 in den fünf Schulen der Stadt in denen Romani angeboten wird, gerade einmal 48 Schüler.


Diese bisherige Entwicklung kann nahezu als Scheitern des Projekts bezeichnet werden, da die Roma der Stadt überwiegend deshalb ihre Kinder nicht zum Romani-Unterricht schicken, weil sie auf Grund der permanenten Diskriminierung die Zugehörigkeit zu diesem Volksstamm der Öffentlichkeit verschweigen wollen, der Sprachunterricht jedoch dazu führt, dass sie erneut in die Gruppe der diskriminierten Roma gestellt werden.

Natürlich hofft die Stadt Göteborg auf eine Änderung der Situation und sucht beim mangelnden Sprachinteresse auch andere Erklärungen. In den Augen des Stadtrates kann das mangelnde Interesse auch daran liegen, dass Romani-Unterricht nicht in die normale Unterrichtszeit integriert ist und erst nach dem üblichen Schulunterricht angeboten ist, aber das Problem kann auch daran liegen, dass fest in Schweden integrierte Roma immer noch mit Kriminalität und Bettelei in Verbindung gebracht werden, da die Vorurteile der Bewohner bisher kaum abgebaut wurden und hierfür auch kein konkretes Programm besteht.

Herbert Kårlin

Samstag, 13. April 2013

Man wird in Göteborg zu alt für ein Studentenwohnheim

In ganz Schweden kann man in jedem Alter noch ein Studium beginnen, vorausgesetzt man hat die Hochschulreife oder meistert die Hochschulprüfung. Und in ganz Schweden kann man während seines Studiums in einem Studentenwohnheim wohnen. In ganz Schweden? Nein, eine Stadt macht hierbei eine Ausnahme, denn in Göteborg werden nur Studenten, die mindestens 17 Jahre alt sind und maximal 48 Jahre erreicht haben, als Mieter akzeptiert.

Als sich nun ein 49-jähriger Nordschwede, der im Herbst ein Studium in Göteborg beginnt, auf die Warteliste der SGS Studentenwohnheime der Stadt setzen wollte, wurde er aus Altersgründen abgelehnt. Nun muss der Diskriminierungsombudsmann  entscheiden, ob sich Göteborg dabei legal verhält oder bei dieser Ablehnung gegen die geltenden Gesetze verstößt.

Während der Betroffene der Meinung ist, dass die Ablehnung eindeutig eine Altersdiskriminierung ist, ist sich die Geschäftsführung der SGS Studentenwohnheime keiner Schuld bewusst und argumentiert, dass die Wohnsituation für Studenten in Göteborg katastrophal ist und sie daher Auswahlkriterien einführen musste nach denen jüngere Studenten bevorzugt werden.  Genau genommen hoffen die SGS, dass der Ombudsmann den Fall gar nicht erst aufnimmt, da damit alle Probleme des Unternehmens beseitigt wären und Studenten über 48 in aller Zukunft nach einer privaten Untermiete suchen müssten.

Herbert Kårlin

Göteborg Reiseführer Göteborgs Tanz- und Theaterfestival

Dienstag, 12. März 2013

Ohne Spitzenarbeitsplatz keine Wohnung in Göteborg

Wer bei einer der städtischen Baugesellschaften nach einer Mietwohnung sucht und vielleicht nach Jahren endlich an der Stelle der Liste angekommen ist, die im Grunde eine Wohnung garantiert, kann diese Wohnung nur dann erhalten, wenn er auch ein sicheres Einkommen in bedeutender Höhe nachweisen kann, denn damit die Gesellschaft den Mieter akzeptiert und als sicher einstuft, muss er mindestens dreimal die Summe dessen verdienen, die er an Miete bezahlen muss.

Bei den meisten einfacheren Wohnungen Göteborgs in mittlerer Lage bedeutet dies, dass man zwischen 25.000 und 30.000 Kronen im Monat verdienen muss, eine Summe, die weder Migranten, noch Berufsanfänger oder Teilzeitbeschäftigte verdienen und auch bei vielen völlig normalen Arbeiten den Durchschnittsverdienst übersteigt. Dass der eventuelle Mieter keine Schulden haben darf und auch nicht anderweitig aufgefallen sein sollte, versteht sich von selbst.

Natürlich versteht auch in Göteborg jeder, dass ein städtisches Unternehmen sicher sein will, dass die Miete bezahlt wird, aber es sollte dennoch jedem selbst überlassen sein zu bewerten ob er der Belastung gewachsen ist und ob er ein Drittel oder die Hälfte seines Gehaltes für die Miete einsetzt. Bei Berufsanfängern helfen auch oft die Eltern mit einem regelmäßigen Zuschuss, aber diese Möglichkeit gilt für die Stadt als nicht relevant. Wer wenig verdient kann nur bei Eltern und Verwandten wohnen oder muss nach einer Untermiete greifen, die meist teurer ist als eine normale Mietwohnung und dem Geringverdiener klar macht, dass er ein Bürger zweiter Klasse ist.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 31. Januar 2013

Göteborger Moschee kann Unterstützung verlieren

Als die Journalisten von Uppdrag granskning nach einem Jahr erneut die Moscheen Schwedens unter die Lupe nahmen um zu erfahren, ob sich Imame und Religionsführer an die schwedischen Grundregeln halten und Frauen die gleichen Rechte wie Männern garantieren, konnten sie feststellen, dass zwar Stockholm und Örebro von den kritisierten Imamen Abstand nahm, nicht jedoch Göteborg, das dem dortigen Imam volles Vertrauen aussprach, obwohl er voriges Jahr die Diskriminierung von Frauen verteidigte.

Als die Journalisten dieses Jahr die Arbeit in der größten Göteborger Moschee erneut untersuchten, so stellten sie fest, dass der islamische Informationsverein in der Moschee, der von der Stadt Göteborg finanziell unterstützt wird, selbst auf seiner Homepage die Diskriminierung der Frau vorschreibt. Ahmed Al-Afty verglich dort die Familie mit einem Boot in dem es nur einen Kapitän geben kann und dass die Engel eine Frau verbannen, die dem Mann Sex verweigert, eine Aussage, die eindeutiger nicht sein kann.

Erst nach dieser neuen Aufschlüsselung erklärt die Göteborger Sozialdemokratin Anna Johansson, die Verantwortliche für die Unterstützung des islamischen Vereins,  dass eine weitere finanzielle Unterstützung des Vereins in Frage gestellt ist, da er die Grundbedingungen für eine Unterstützung nicht erfüllt, da die Aussagen von Ahmed Al-Afty kaum von einer Gleichstellung von Mann und Frau sprechen. Dass diese Probleme bereits seit einem Jahr bestehen, scheint die Politikerin kaum zu stören, und sie vergisst dabei auch, dass nicht die Stadt das Problem verfolgte, sondern Journalisten.

Herbert Kårlin

Samstag, 19. Dezember 2009

Weibliche Verkehrszeichen für Fußgängerüberwege in Göteborg

Im Rahmen der Gleichbehandlung von Mann und Frau wurden vom Verkehrsamt in Göteborg neue Schilder an einigen Fußgängerüberwegen aufgestellt. Während es in den meisten europäischen Ländern üblich ist einen Mann, oft mit Hut, für die entsprechenden Verkehrszeichen zu verwenden, geht Göteborg nun neue Wege.

In den Göteborger Stadtteilen Langedråg und Partille wurden nun die ersten Fußgängerübergangsstellen mit Verkehrszeichen versehen, die eine Frau in Pagenfrisur und Rock abbilden, die die Straße auf einem Zebrastreifen kreuzt, da von mehreren Frauenrechtsgruppen die Bevorzugung von Schilder mit ausschließlich Männern als diskriminierend angesehen werden.

Um nicht in die Falle der umgekehrten Diskriminierung zu fallen werden jedoch vorerst nur beschädigte Schilder ausgetauscht oder neue Übergangsstellen mit den „weiblichen Verkehrszeichen“ versehen um mittelfristig eine Mischung der Schilder zu erreichen und einen Ausgleich zwischen der Anzahl an Fußgängerüberwegen mit Mann oder Frau zu erreichen. Die Gleichheit der Geschlechter wird in Göteborg nun auch bei Verkehrszeichen vorurteilsfreier.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Göteborgs Universität unter der Anklage von Geschlechterdiskriminierung

Nach dem Zentrum für Gerechtigkeit in Stockholm gehört die Universität in Göteborg zu den vier Universitäten des Landes wo die Diskriminierung von Frauen am höchsten liegt. Der im Jahre 2002 gegründete Organismus will diese Probleme nun vor die schwedischen Gerichte bringen um Frauen die gleiche Chance zu geben wie Männern.

Dass in Göteborg dieses Jahr 1059 Diskriminierungssfälle an der Universität beanstandet werden, ausschließlich Frauen, sieht die Universitätsverwaltung anders, denn für die Verantwortlichen ist es logisch, dass in einer Ausbildung wie Medizin, wo 80% der Bewerbungen von Frauen kommen ein Ausgleich geschaffen werden muss, indem man bei gleicher Qualifikation grundsätzlich einen Mann bevorzugt, da sonst eine zu große Frauendominanz in der Fakultät vorzufinden wäre.

Die größten Diskriminierungen erfahren bei diesem System Frauen, die sich nach Abschluss einer Volkshochschulausbildung zu einem Medizinstudium entschließen, da hier eine Frau in Göteborg absolut keine Chance hat zugelassen zu werden, da, nach der Universität Göteborg, die Frauenplätze ja schon anderweitig vergeben sind. Nach Aussagen der Verwaltung betrifft dieses Problem ja auch nur gewisse Ausbildungen, da bei anderen Studienzweigen jeder Antragsteller einen Platz bekommt.

Herbert Kårlin