Montag, 8. September 2014

Prestigeprojekt Göteborgs in der Schwebe

Auch wenn der Göteborger Stadtrat seine Bürger immer deutlicher davon überzeugen will, dass eine Zukunft Göteborgs ohne den Västlänken, einem Eisenbahntunnel unter der Stadt, undenkbar ist, so zeigt sich nun, dass der Bau des Tunnels nur beginnen kann wenn sich die Stadtverwaltung zum Rechtsbrecher macht, denn seit Jahren verschweigt sie ihren Bewohnern, dass nicht die Stadt, sondern die Bürger über den Bau des Tunnels entscheiden müssen.

In der Tat findet sich ein Vertrag aus dem Jahre 1807 in dem sich Göteborg dazu verpflichtet die Bäume der Nya Allén zu schützen und zu pflegen damit diese Bäume für alle Zukunft erhalten bleiben, ein Vertrag, der nur dann geändert werden kann wenn sich die absolute Mehrheit der Bürger dafür entscheidet. Es ist daher vollkommen ausgeschlossen, dass die Stadt rund 100 der ältesten Bäume Göteborgs abholzt um dort einen Tunnel bauen zu können. Jeder einzelne Baum steht unter juristischem Schutz.

Niemand weiß wie die Stadtverwaltung nun reagieren wird nachdem ihr wohlbewahrtes Geheimnis öffentlich wurde, zumal das Prestigeprojekt der Stadt auch als umweltzerstörend, als unrentabel und selbst als unfinanzierbar eingestuft werden muss. Eine Volksbefragung dürfte kaum die Pläne der Führungsschicht unterstützen, aber ohne diese muss sie mit zahlreichen Klagen rechnen, die den Bau des Tunnels auf jeden Fall um Jahre verzögern wird, selbst bei einem unwahrscheinlichen Gewinn vor den Gerichten. Bis zum Jubiläumsjahr 2021 eine Stadt der Superlative zu zeigen, dürfte jedenfalls begraben werden.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Sonntag, 7. September 2014

206 Wahlkandidaten Göteborgs im Strafregister

Als die Journalisten der Göteborgs-Posten in der Vergangenheit der zu den verschiedenen Wahlen aufgestellten Kandidaten im Raum Göteborg wühlten, stellten sie fest, dass 206 unter ihnen während der letzten 15 Jahren gegen Gesetze verstoßen hatten und bei zwei Drittel unter ihnen handelte es sich um weitaus mehr als nur ein Verkehrsvergehen wie eine Geschwindigkeitsüberschreitung und das Missachten einer roten Ampel.

Unter den fünf Prozent der Göteborger Kandidaten, die nun um das Vertrauen der Bevölkerung kämpfen, findet man Mitglieder sämtlicher Parteien, unter ihnen Sexualstraftäter, Gewalttäter, Alkohol am Steuer und Raub, Taten, die in anderen Ländern teilweise sogar dazu führen, dass man das Wahlrecht verliert, mit Sicherheit aber nicht gewählt werden kann, da gerade Berufspolitiker ein gutes Beispiel bieten sollen und wegen ihrer moralischen Eigenschaften und ihrer Integrität die Bevölkerung vertreten sollen.

Natürlich stellten die Journalisten einige Unterschiede bei ihrer Aufstellung fest, denn unter den Kandidaten kleinerer Parteien findet man mehr ehemalige Straftäter als in den etablierten Parteien und die Betroffenen findet man mehrheitlich nicht an der Spitzenposition auf den Wahlzetteln, aber eine Fahrerflucht nach einem Personenschaden sollte ausreichen um ein Parteimitglied in eine nichtwählbare Position zu versetzen. Dabei geht es im Grunde auch nicht ob die Tat durch eine Strafe „gesühnt“ ist, sondern wo die moralische Selbstverständlichkeit des Kandidaten zu suchen ist. In Göteborg scheint diese Frage jedoch in den politischen Parteien kaum von Interesse zu sein.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 6. September 2014

Mehr Wohnheime für Ältere in Göteborg

Nachdem sich alle Parteien Göteborgs darüber einig sind, dass man, zumindest theoretisch, mehr Mietwohnungen und mehr Studentenwohnheime in Göteborg benötigt, und zwar so schnell wie möglich, will Jonas Ransgård, der Vorsitzende der Moderaten Göteborgs, nun einen Schritt weitergehen und mit einem neuen Versprechen die ältere Schicht Göteborgs zu den kommenden Wahlen auf seine Seite ziehen, da eventuell nur wenige Stimmen darüber entscheiden können welche politische Seite in Zukunft Göteborg regieren wird.

Jonas Ransgård gab daher bekannt, das der gesamte rechte Block bei einem Wahlgewinn jedes Jahr mindestens ein neues Wohnheim für die ältere Bevölkerung der Stadt bauen will um die Wartezeiten dort zu verkürzen und die Angehörigen frühzeitig zu entlasten. Mit dieser Erklärung geht der Politiker gegen den Strom des linken Blocks, der den Angehörigen eine immer größere Verantwortung auflastet und eher an den Abbau der Wohnheime denkt.

Auch wenn die Investition in Wohnheime für Ältere die einzige Neuerung der Göteborger Koalition ist, so verspricht Ransgård natürlich auch Studenten billigere Fahrscheine für die öffentlichen Verkehrsmittel, kleinere Klassen in Kindergärten und Schulen und vieles mehr, auch wenn er dabei verschweigt, dass diese Kosten die arbeitende Bevölkerung der Stadt durch höhere Steuern und teurere Fahrscheine bezahlen muss. Ransgård wird bei einem Gewinn des rechten Blocks bei den Kommunalwahlen auch den Plan der Linken Arbeitstags von sechs Stunden für städtische Angestellte einzuführen, streichen, der einzige Punkt, der ihn Stimmen kosten kann.

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 5. September 2014

Göteborg und bedürftige Schüler

Obwohl seit mehreren Jahren allgemein bekannt ist, dass Schüler mit Lernschwierigkeiten in Göteborg kaum, oder aber sehr verspätet, die ihnen vom Gesetz zugesagte Unterstützung bekommen und mehrere Eltern sogar erst über das Gericht ihre Rechte durchsetzen mussten, wollte die Stadt den Tatsachen nicht ins Auge sehen und den Schulen die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Das Ergebnis zeigt sich allerdings auch im Ranking der Schulen bei dem Göteborg sehr weit abgeschlagen im hintersten Feld mitläuft.

Um Zeit zu gewinnen, hatte Göteborg natürlich erst noch eine eigene Untersuchung beauftragt und die Rektoren der Schule befragen lassen. Das Ergebnis war, wie zu erwarten, identisch mit den längst bekannten Problemen, denn rund 60 Prozent der Rektoren bestätigten, dass ihnen einfach das Geld fehlt um bedürftige Schüler rechtmäßig unterstützen zu können. Dass diese Untersuchung nur dem Zeitgewinn diente, geht auch daraus hervor, dass sowohl das Schulamt als auch die Schulinspektion Göteborg gerade wegen diesem Missstand bereits kritisierte.

Noch kurz vor den Kommunalwahlen tritt nun die Göteborger Grüne Kia Andreasson nun an die Öffentlichkeit und erklärt wie nützlich es doch sei nun die wahren Probleme zu kennen. Als Wahlversprechen kommt natürlich auch die Garantie, dass sich nun alles ändern wird, auch wenn die Politikerin nicht bekannt gibt wie viel zusätzliches Geld sie den Schulen zukommen lassen will, wo sie die qualifizierten Lehrer findet und wie sie erreichen will, dass die Bearbeitung der einzelnen Fälle vor sich gehen kann, aber da die Schule ein wichtiges Wahlthema ist, hat Andreasson dann ja vier Jahre Zeit über die Antworten nachzudenken, falls der linke Block weiterhin Göteborg regieren sollte.

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 4. September 2014

Wohnungsbau im Aufwind in Göteborg

Vier große schwedische Bauunternehmen kamen mit der Stadt Göteborg überein auf Hisingen 5000 neue Wohnungen und 300.000 Quadratmeter an Büros und für den Handel zu errichten, ein Plan, der im ersten Moment sehr positiv klingt, wenn die fertigen Wohnungen, insbesondere die ohnehin geringe Anzahl an Mietwohnungen, nicht in einer Preissparte liegen würden, die bereits ein Normalverdiener sich nicht leisten kann, noch weniger aber ein oft sehr schlecht bezahlter Migrant. Auf Grund der enormen Wohnungsnot sehen die Bauherren jedoch kein Problem damit weiterhin aufwendig zu bauen und hohe Mieten zu verlangen.

Erstmals weisen nun einige Politiker der Stadt die Bauunternehmen sehr eindringlich darauf hin auf Hisingen auch billige Mietwohnungen zu bauen, damit nicht auch Hisingen zu einer Gegend wird in der man nur bei gehobenem Einkommen wohnen kann, da dies die gesamte Planung der Stadt und den entsprechenden Versprechen widerspricht. Die Bauherren dazu zwingen dort auch billige Wohnungen anzubieten, das kann die Stadtverwaltung und das Bauamt allerdings nicht, sondern ist auf den guten Willen der Bauherren angewiesen.

Wenn am heutigen Tag die neuen Baupläne der Bauunternehmen bei der Stadt eingehen, wird sich zeigen ob auch Hisingen ein Stadtteil der Exklusion wird wie das zentrale Göteborg oder ob sich für Normalverdiener ein kleines Licht in der Ferne zeigt. Vielleicht werden diese neuen Bauvorhaben aber auch dazu führen, dass das Bauamt Göteborgs in Zukunft bei den Bebauungsplänen schon an billige und mehr Mietwohnungen denkt, auch wenn diese neuen Gebiete dann erst in etwa zehn Jahren bebaut werden sollten, denn dies zwingt auch die Bauherren billiger zu bauen.

Copyright: Herbert Kårlin

Mittwoch, 3. September 2014

Ausgebildete Lehrer, ein Problem in Göteborg

Als der schwedische Verband der Lehrer im Jahre 2003 erstmals die Qualität der Schulen des Landes bewertete, lag Göteborg mit seinen Schulen auf Platz 47. Heute findet man Göteborg auf Platz 234 von insgesamt 290, und dies, obwohl die Stadt im Laufe eines Jahres sogar um acht Plätze nach oben kletterte. Jedes Wahlversprechen über eine bessere Qualität der Schulen der Stadt kann unter diesen Voraussetzungen nur als leeres Versprechen betrachtet werden, denn um innerhalb von vier Jahren um 200 Plätze nach oben zu klettern, dazu ist ein Wunder notwendig.

Nach den Auswertungen des Lehrerverbands ist das Hauptproblem in Göteborg, dass es hier viel zu wenige ausgebildete Lehrer gibt, der Unterricht also zum Teil von Aushilfskräften oder nicht voll ausgebildeten Lehrern gegeben werden muss, ein Problem, das voraussichtlich selbst bis 2020 nicht behoben wird, da landesweit viel zu wenige Lehrer ausgebildet werden und während der kommenden vier Jahre weniger neu ausgebildete Lehrer die Universitäten verlassen werden als pensioniert werden. Und wie man Studenten vom Lehrerberuf wieder überzeugen kann, darauf kann bisher keine kommunale Partei eine Antwort geben.

Ausgerechnet in Göteborg ist auch eine Gehalterhöhung nicht die Ursache für die zu geringe Anzahl an ausgebildeten Lehrern, die man hier beschäftigt, denn die Stadt bezahlt ihren Lehrern mehr als andere Gemeinden, die man in Spitzenpositionen findet und die kein Problem dabei haben gute Kräfte anzustellen. Es wäre daher wichtig, dass Göteborg sich erst einmal auf die Suche nach dem Problem macht, denn auch in den kommenden Jahren werden Lehrer die Chance haben ihre Arbeitgeber zu wählen und Schulen mit einem schlechten Ruf werden auf der Strecke bleiben.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 2. September 2014

Lügen über den Bau des Eisenbahntunnels in Göteborg

Zwei Ingenieure belegten gestern in einem Artikel in der Tageszeitung Göteborgs-Posten, dass das städtische Trafikverket systematisch falsche Angaben über den geplanten Eisenbahntunnel Västlänken verbreitet, und dies insbesondere hinsichtlich der Rentabilitätsfrage. Die Stadt Göteborg will diesen Tunnel unter allen Umständen bauen und benutzt die falschen Angaben vor allem um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Jede Kritik aus einem der städtischen Ämter wird unmittelbar sanktioniert statt diese zu diskutieren.

Die beiden Ingenieure mussten sich bei der Suche nach Fehlern auch keine besondere Mühe machen, denn die offensichtlichen Falschaussagen kann jeder Laie nachvollziehen. Während das städtische Amt für Straßen- und Schienenverkehr behauptet, dass 102.000 Bewohner der Stadt innerhalb von nur zehn Minuten zu Fuß einen der drei unterirdischen Bahnhöfe erreichen können, sind es in der Tat gerade einmal 32.000 Reisende, es sei denn 70.000 Bürger lernen die Vogelfluglinie zu benutzen und gehen durch Mauern und Abgrenzungen.

Auf den überzeugenden Plänen zog das Amt nämlich nur drei Kreise, die zudem grösser ausfallen als die Erklärungen, und endet nach den Berechnungen auch am oberirdischen Eingang. Dass man dann erst noch eine Minute lang eine Rolltreppe benutzen muss und 200 Meter bis zur Haltestelle benötigt, scheint den Planern nicht wichtig zu sein. Sie gehen auch davon aus, dass jeder Fahrgast mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Kilometer die Stunde zum Zug eilt, was weder an Kreuzungen mit Ampeln, noch auf Rolltreppen realistisch ist. Aber die Erklärung für diesen „Irrtum“ leuchtet ein, denn bei maximal 32.000 Fahrgästen wird der Eisenbahntunnel für alle Zeiten unrentabel, selbst wenn die Kosten nicht explodieren sollten und letztendlich ist es ja unbedeutend, dass für viele der geplanten Reisenden der Anmarsch nahezu 20 Minuten statt zehn dauert.

Copyright: Herbert Kårlin

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