Sonntag, 6. Oktober 2013

Göteborg fehlt die langfristige Perspektive

Der frühere Informationsdirektor Göteborgs Ulf Källström vergleicht in einem Beitrag in seinem Blog „raddagoteborg“ (Rette Göteborg) die drei Großstädte Schwedens und kommt dabei zum Ergebnis, dass Göteborg die einzige der drei Städte ist, die bereits heute den Anschluss verpasst hat, da alles was ein Zeichen einer positiven Entwicklung ist, in Göteborg nach unten zeigt. Nach Källström hinkt Göteborg den anderen Städten bereits hinterher.


Nach Källström liegen die wirtschaftlichen Leistungen in Göteborg hinter jenen Stockholms, das Bildungssystem hinkt den anderen Städten hinterher und die Verwaltung der Stadt ist zu teuer und die Verantwortlichen treffen zudem schlechte Entscheidungen. Nach den Berechnungen Källströms braucht man für die Herstellung einer Ware oder eines Produkts drei Göteborger wenn in Stockholm nur zwei Personen dafür nötig sind.

Ulf Källström hat sich auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung der schwedischen Städte auseinandergesetzt und stellte dabei fest, dass in Stockholm innerhalb der letzten zwölf Jahre über 12.000 Aktiengesellschaften eingetragen wurden, eine Menge, die Göteborg nicht einmal in seiner Gesamtheit aufweisen kann,was sich auch auf den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum auswirkt. Nach Källström muss Göteborg vollkommen umdenken wenn es nicht bald weit abgeschlagen hinter anderen Städten liegen will.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 5. Oktober 2013

Göteborger Universität und Chalmers verlieren an Ruf

Wer das diesjährige Ranking der Universitäten und Hochschulen in der Zeitschrift Times Higher Education betrachtet, stellt fest, dass sowohl die Göteborger Universität als auch die Technische Hochschule Chalmers nicht einmal mehr unter den 200 besten höheren Ausbildungsstellen weltweit zu finden sind, denn nach den Kriterien, die bei diesem Ranking bedeutend sind, ist die Hochschulausbildung in Göteborg fast schon im freien Fall.


Natürlich sind diese Rankings immer mit etwas etwas Vorsicht zu genießen, denn außer den immer wiederkehrenden amerikanischen und englischen Eliteinstituten findet man in der Spitzengruppe gerade einmal die Technische Hochschule in Zürich (zwölfter Platz) und unter den schwedischen Einrichtungen schafft es nur das Karolinska Institutet überhaupt in die Gruppe der 100 besten Universitäten weltweit eingereiht zu werden.

Für Göteborg liegt dieser Abstieg natürlich nicht an den Änderungen der Einrichtung der letzten Jahre, sondern an den falsch gewählten Kriterien, da Forschung mehr Punkte gibt als Unterricht und Medizin höher eingestuft wird als Soziologie oder Kunst. Diese Aussagen könnten natürlich zutreffen, wenn alle vergleichbaren schwedischen Universitäten gleichermaßen verlieren würden, aber bei genauerem Betrachten des Ranking stellt man fest, dass es nur die beiden Göteborger Universitäten sind, nicht aber Lund, Stockholm oder Uppsala, die am Absteigen sind. Es wäre daher sinnvoll, wenn Göteborg etwas tiefer in ihrer Hochschulausbildung graben würde und das Problem nicht  nur an den Kriterien der Times suchen würde.

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 4. Oktober 2013

Die Götheborg wird an der Werft beschädigt

Nachdem die Götheborg im kommenden Jahr auf große Reise gehen wird und vollkommen unbekannt ist wann sie anschließend wieder im Heimathafen in Göteborg anlegen wird, aber sehr viele Arbeiten nur in der hiesigen Werft ausgeführt werden können, sollte das Schiff gestern ins Trockendock der Gotenius Werft wo eine Generalrevision durchgeführt werden sollte. Das Vorhaben, das bisher jeden Winter durchgeführt wurde, zeigte gestern jedoch eine seltsame Wende.


Um die Götheborg ins Trockendock zu schaffen, benötigt man normalerweise drei Bugsierboote, die dem Schiff helfen die enge Einfahrt ins Dock zu nehmen. Kurz bevor der Ostindiensegler jedoch im Trockendock angelangte, stellte man fest, dass der Göta älv an diesem Tag über eine außerordentlich starke Strömung verfügt, was dazu führte, dass die Götheborg den Kurs nicht halten konnte und eines der Bugsierboote in die Pallisade drückte, die die Strömung am Trockendock reduzieren soll. Das Bugsierboot riss dabei ein Loch in die Pfähle, wurde zurück zur Götheborg gedrückt und beschädigte dabei auch den Dreimaster.

Nach einigen weiteren Anstrengungen gelang es dann jedoch die Götheborg in das sichere Dock zu schaffen, wo man nun auch die neuen Schäden bewerten und reparieren muss. Auch wenn die Vorzeichen für eine mehrjährige Reise des Dreimasters nicht gerade als gute Omen bewertet werden können, sucht die SOIC bereits eine feste Mannschaft für das Schiff und die kommende Reise, die man nicht mehr mit Freiwilligen ausführen kann, die nur im Urlaub einige Teilstrecken mit unterwegs sein können.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Göteborg spioniert kritischen Verein aus

Die kommunale Baugesellschaft Älvstranden Utveckling AB, die mit nahezu der gesamten kommunalen Bauentwicklung Göteborgs betraut ist, will sich nach internen Papieren die Hände von Vereinen frei halten, die die Bauprojekte der Stadt kritisieren und Anwohnern Ratschläge geben wie sie gegen die städtischen Entscheidungen Einspruch einlegen können. Als Subunternehmen der Stadt sehen sie den demokratischen Gedanken der Bürger als geradezu schädlich an.


Dies zeigt sich am deutlichsten beim Verhalten zum Verein Yimby, der jedes Projekt des Unternehmen überwacht und sich in sehr vielen Fällen auch sehr kritisch zu den Plänen der Architekten und leitenden Angestellten stellt, da der Verein eher das Wohl der Bürger im Sinn hat und Älvstranden Utveckling AB mehr den Gewinn und die Repräsentation Göteborgs als moderne, aufstrebende Weltstadt, zwei Ziele, die sich kaum vereinbaren lassen.

In einem Schreiben an die Angestellten haben die Älvstranden Utveckling AB nun klare Hinweise gegeben wie sich Angestellte zu Mitgliedern von Yimby verhalten sollen und wie sie auf deren Anfragen reagieren sollen. Aus dem Schreiben ist zudem zu entnehmen, dass die städtische Firma ein PR-Büro damit beauftragte sich bei Yimby als Undercover-Beobachter einzuschleichen und alle Gedanken und Entscheidungen des Vereins direkt an das Unternehmen weiterzuleiten, damit dort schnellstmöglich entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden können.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Volvo und Göteborg ziehen nicht am gleichen Strang

Der Kommunikationsdirektor des Göteborger Autoherstellers Volvo war bestürzt als er vernehmen musste, dass die Stadt Göteborg in Brüssel deutlich zeigte, dass die Stadtverwaltung das Auto negativ sieht und propagiert, dass die Göteborger ihre Fahrzeuge zu Hause lassen sollen, was man auch damit übersetzen kann, dass Autos als überflüssig angesehen werden, da es öffentliche Verkehrsmittel gibt. Natürlich weisen die führenden Politiker diese Aussage zurück, denn Volvo ist einer der wichtigsten Arbeitgeber Göteborgs.


In der Tat will jedoch die Stadtverwaltung alle Autos aus der Stadt verbannen, was sich nicht nur an der ständig geringer werdenden Anzahl an Parkplätzen und den Parkzeiten von maximal 30 Minuten in der Innenstadt zeigt, sondern auch an der aggressiv geführten Umweltpolitik. Sicher muss die Luft in der Stadt besser werden, aber dies ist kaum möglich, so lange 45 Prozent der Bewohner sagen, dass sie auf ihre Autos angewiesen sind, da die öffentlichen Verkehrsmittel vollkommen unsinnig geplant sind und keine Alternative bieten. Zudem liegen alle Einkaufszentren außerhalb der Stadt, die nur mit einem Auto anzufahren sind.

Dass ausgerechnet Göteborg eine autofeindliche Politik betreibt, ist ohnehin ein problematisches Thema, denn Steuern und Arbeitsplätze bietet vor allem Volvo, der Autohersteller der Stadt. Ohne Volvo werden sich die finanziellen Probleme der Stadt, die auch die Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel bei etwa 1000 Kronen für die Innenstadt sieht, nur noch größer, denn die gigantischen Projekte der Stadt für Infrastruktur und 400-Jahresfeier hängen von den Einnahmen ab, also vom Verkauf von Autos, auch nach Göteborg.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 1. Oktober 2013

In Göteborg zählt bei Luzia nur die Stimme

Nachdem die Kandidatur zu den jährlichen sieben Luziakandidatinnen immer häufiger als Schönheitswettbewerb betrachtet wurde und dadurch viele Göteborger sich gar nicht erst wagten sich zu bewerben, hatte sich Göteborg dieses Jahr zu einer neuen Methode entschieden und ließ bei der Vorauswahl nur noch die Stimme zählen, die von einer Opernsängerin bewertet wurde, auch wenn die Organisation sicher war, dass dies erneut auf Kritik stoßen wird.


Bis zum 22. September konnte jeder Mann oder Frau seinen Beitrag einschicken, allerdings ohne Foto, denn die Organisation hatte ein App entwickelt, bei der der Jury nur die Lippen gezeigt wurden und die Stimme allein überzeugen sollte. Aus den 60 jungen Frauen und einem jungen Mann, die die erste Hürde genommen hatten, wurden nun sieben Frauen ausgewählt, die nun vor einer bedeutenden Anforderung stehen bis endgültig die Luzia gekrönt wird und die Truppe am 18. Dezember die letzten großen Konzerte hinter sich hat.

Als die sieben jungen Frauen am 29. September gewählt waren und ihre Gesichter bekannt wurden, gab es eigentlich kaum eine Überraschung, denn es handelt sich um sieben hübsche Mädchen, die mehrheitlich blond sind und Migrantinnen scheinen sich nicht beworben zu haben. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass die sieben Ausgewählten sich vier Wochen lang ausschließlich ihrer Tätigkeit widmen müssen, also weder zur Schule noch zur Arbeit können und sechs Wochen lang dreimal die Woche üben müssen und dabei auch auf oft auf freie Samstage und Sonntage verzichten müssen. Allein schon deswegen ist die Anzahl der Bewerber und Bewerberinnen sehr begrenzt.

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 30. September 2013

Göteborger Buchmesse setzt auf Brasilien

Während die rumänischen Schriftsteller, die dieses Jahr im Zentrum der Göteborger Buchmesse standen, sehr zufrieden in ihr Land zurückkehren, da sie mit ihren Werken und Seminaren weitaus mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen als sie erhofft hatten und während der vier Messetage auch eine große Anzahl ihrer übersetzten Bücher verkauft wurden, treten die Veranstalter der Göteborger Buchmesse bereits in die nächste Phase ein und bereiten die kommende Messe vor.


Im Jahr 2014 wird die Göteborger Buchmesse 30 Jahre alt und wird zu dieser Angelegenheit auf zwei bedeutende Themen gleichzeitig setzen. Zum einen wird die Literatur Brasiliens im Zentrum stehen, die weltweit zwar eine wichtige Rolle einnimmt, aber in Schweden bisher kaum beachtet, wenn man von Paulo Coelho, Jorge Amado, Carlos Castaneda und einigen wenigen anderen Autoren absieht, da man in Schweden relativ wenig von Brasilien redet und noch weniger von diesem Land weiß. Die Göteborger Buchmesse geht daher einer großen Arbeit entgegen um bereits ab morgen daran zu arbeiten die Literatur des südamerikanischen Landes in Schweden bekannter zu machen.

Im Zentrum der kommenden Buchmesse werden auch die Literaten aus Katalonien stehen, einem kleinen „Land“, das eine sehr alte literarische Tradition hat und sehr bedeutende Autoren hervorbrachte, die, vor allem unter Franco, im Untergrund um das Überleben ihrer Sprache kämpften. Außerhalb Kataloniens wurden nur sehr wenige von ihnen bekannt, trotz des hohen literarischen Niveaus. Durch die seit Monaten verstärkte Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen folgt dem Thema mit Sicherheit eine politische Brisanz, selbst wenn auf der Buchmesse vermutlich kaum direkt über Politik gesprochen wird, allein die Themen der Bücher und die Geschichte einiger Autoren werden dies nicht vermeiden lassen.

Copyright: Herbert Kårlin