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Montag, 8. September 2014

Prestigeprojekt Göteborgs in der Schwebe

Auch wenn der Göteborger Stadtrat seine Bürger immer deutlicher davon überzeugen will, dass eine Zukunft Göteborgs ohne den Västlänken, einem Eisenbahntunnel unter der Stadt, undenkbar ist, so zeigt sich nun, dass der Bau des Tunnels nur beginnen kann wenn sich die Stadtverwaltung zum Rechtsbrecher macht, denn seit Jahren verschweigt sie ihren Bewohnern, dass nicht die Stadt, sondern die Bürger über den Bau des Tunnels entscheiden müssen.

In der Tat findet sich ein Vertrag aus dem Jahre 1807 in dem sich Göteborg dazu verpflichtet die Bäume der Nya Allén zu schützen und zu pflegen damit diese Bäume für alle Zukunft erhalten bleiben, ein Vertrag, der nur dann geändert werden kann wenn sich die absolute Mehrheit der Bürger dafür entscheidet. Es ist daher vollkommen ausgeschlossen, dass die Stadt rund 100 der ältesten Bäume Göteborgs abholzt um dort einen Tunnel bauen zu können. Jeder einzelne Baum steht unter juristischem Schutz.

Niemand weiß wie die Stadtverwaltung nun reagieren wird nachdem ihr wohlbewahrtes Geheimnis öffentlich wurde, zumal das Prestigeprojekt der Stadt auch als umweltzerstörend, als unrentabel und selbst als unfinanzierbar eingestuft werden muss. Eine Volksbefragung dürfte kaum die Pläne der Führungsschicht unterstützen, aber ohne diese muss sie mit zahlreichen Klagen rechnen, die den Bau des Tunnels auf jeden Fall um Jahre verzögern wird, selbst bei einem unwahrscheinlichen Gewinn vor den Gerichten. Bis zum Jubiläumsjahr 2021 eine Stadt der Superlative zu zeigen, dürfte jedenfalls begraben werden.

Copyright: Herbert Kårlin

Der Botanaische Garten in Göteborg

Samstag, 26. Juni 2010

Göteborger Strände immer unzugänglicher

Nach schwedischen Gesetzen muss der Strandstreifen, bis auf sehr wenige Ausnahmen, der Allgemeinheit zugängig sein, sowohl zu einem ausgedehnten Standspaziergang als auch um dort ein Picknick zu machen. Da die Einzelperson zwischen einem offiziellen Schild Privatbesitz und einem, das ein Hausbesitzer ungenehmigt aufstellt, keinen Unterschied sehen kann, ist die Stadt für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zuständig und muss darauf dringen, dass ungenehmigte Schilder beseitigt werden.

In diesem Rahmen geschieht jedoch in Göteborg immer weniger, da sich der Stadtrat selten mit den reichsten Bewohnern der Stadt anlegen wollen, die diese Grundstücke am Strand besitzen. Einmal davon abgesehen, dass es oft keinen ersichtlichen Wanderweg entlang des Strandes gibt stößt man mittlerweile auch auf Gartentore, Verbotsschilder und künstlich errichtete Hindernisse, die eindeutig das Recht sämtlicher Bürger und Besucher Göteborgs illegal beschneiden.

Noch schwieriger wird die Situation mit kleineren Bootssteg, die oft von Privatpersonen angelegt wurden, denn außer offiziellen Anlegestellen, die verwaltet werden und mit Toilette, Wasserversorgung und anderen Annehmlichkeiten versehen sind, fallen Bootsstege unter das Jedermannsrecht (Allemansrätten), was bedeutet, dass jedes Freizeitboot dort anlegen darf, was dann in der Realität jedoch oft zu Auseinandersetzungen führt. Um die Situation nicht eines Tages eskalieren zu lassen ist es dringend notwendig, dass die Stadt Göteborg schnellstmöglich wieder dafür sorgt, den Strand der Allgemeinheit auch tatsächlich zugängig zu machen.

Herbert Kårlin