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Samstag, 1. Februar 2014

Der Stadtteil Gårda bleibt teilweise erhalten

Der Kampf der Bewohner des Göteborger Stadtteils Gårda zeigt nun Erfolg, zumindest teilweise, denn die Mehrheit des Stadtrats hat nun dem Plan zugestimmt etwa die Hälfte der Altbauten, überwiegend historisch interessante Landshövdingehus, zu erhalten und die ursprünglichen Pläne neu zu überarbeiten, denn geplant war den gesamten Altbauteil dem Erdboden gleichzumachen um Parkplätze zu schaffen und das Gebiet an die Messe und das Scandinavium anzuschliessen.

Gårda ist jedoch nicht nur wegen seinen in Göteborg einmaligen Bauten von Interesse, sondern es handelt sich dabei auch um das letzte zentrale Gebiet mit geringen Mieten und einen Stadtteil, der sich noch mehr als Dorf als als Stadt sieht. Da der Standard in den meisten Gebäuden gegenwärtig als absolut minimal betrachtet werden muss, wohnen hier vor allem Personen mit sehr geringem Einkommen und teilweise Studenten.

Ob die Bewohner der Häuser allerdings auch in Zukunft in Gårda bleiben können, zumindest die Hälfte unter ihnen, ist ebenfalls noch nicht sicher, auch wenn die Stadt dies noch verspricht, denn in der Tat sollen nun sämtliche Gebäude restauriert und teilweise auch modernisiert werden. Die Kosten dieser Arbeiten werden selbstverständlich auf die Miete geschlagen. Es bleibt daher abzuwarten wie viel in den historischen Altbauten restauriert und modernisiert wird, denn sollte die Miete um 30 bis 40 Prozent steigen, so werden sehr viele der Bewohner auch ohne Abriss ausziehen müssen.

Copyright: Herbert Kårlin

Montag, 19. November 2012

Historische Teile Göteborg erneut bedroht

Nachdem der Göteborger Rettungsdienst die historischen Gebäude in Gårda inspizierte, wurde der Stadt aus Gründen der Brandsicherheit die Auflage gemacht sämtliche Probleme in den Gebäuden bis zum 30. April 2013 zu beseitigen, was nach Berechnungen der Stadt etwa zwei Millionen Kronen kosten würde und zusätzliche acht Millionen um die preisgünstigsten Miethäuser der Stadt modernerem Standard anzupassen, eine Summe, die die Stadt lieber in andere Projekte stecken will.

Da die Landshövdingehäuser im südlichen Gårda nicht auf den Bebauungsplänen der Stadt zu finden sind, da sich das Bauamt nie die Mühe machte sie aufzunehmen, obwohl es sich dabei um ein Kulturgut der Stadt handelt, sehen immer mehr Mitglieder des Stadtrates die Lösung dabei die Gebäude abzureisen, damit die Stadt dort für Messebesucher Parkplätze schaffen kann oder dort zumindest Busse abgestellt werden können. Nach zwei Jahren relativer Ruhe kommt dieser Plan nun erneut ins Gespräch und findet, auf Grund der angesetzten Kosten für die Renovierung, immer mehr Fürsprecher.

Die aktuelle Vision Göteborgs ist eine moderne Stadt zu schaffen statt Kulturgut zu erhalten, wobei erneut der gleiche Weg gegangen wird, den man in den 60er und 70er Jahren einschlug, als alles Alte weichen musste und großen Teilen Göteborgs der Scharm genommen wurde, der für den Tourismus eines Ortes jedoch die wichtigste Rolle spielt, was zahlreiche andere Orte Schwedens permanent beweisen. Für die rund 100 Mieter spielt die Entscheidung jedoch kaum eine Rolle, denn falls, wider Erwarten, modernisiert wird, so werden sie die neuen Mieten die neuen Mieten nicht bezahlen können und wenn abgerissen wird, so werden sie in Randgebiete Göteborgs abgedrängt.

Herbert Kårlin

Montag, 6. Februar 2012

Feuerwehr in Göteborg mit schwarzer Kasse

Wie Sveriges Radio aufdeckte, vermieteten die Feuerwehrmänner im Göteborger Stadtteil Gårda seit Jahren die Wohnung in den Brandstationen an Besucher aus ganz Schweden, ohne diese Einnahmen jedoch in irgendeiner Weise in der Buchhaltung aufzunehmen. Statt dessen wurden von den Einnahmen Lebensmittel, Einrichtungsgegenstände oder auch Alkohol für Feste gekauft, eine Handlung, die in das Gesamtbild des aktuellen Göteborgs passt.

Da diese ungenehmigten Geschäfte seit Jahren aufrecht gehalten wurden, konnte die größte Brandstation Göteborgs bisher mehrere hundert Millionen an Kronen in einer schwarzen Kasse unterbringen und verbrauchen ohne dass Außenstehende oder die Stadt es bemerkte. Nach Aussagen der Feuerwehrmännern Göteborgs ist diese Situation jedoch nicht auf Göteborg beschränkt, sondern im ganzen Land zu finden.

Nach den städtischen Regeln ist es grundsätzlich verboten die Wohnungen in den Feuerwehrhäusern zu vermieten, wobei sie jedoch kostenlos an andere Feuerwehrmänner des Landes verliehen werden dürfen, insbesondere, wenn diese beruflich oder für Ausbildungszwecke unterwegs sind. Noch bevor die Affäre aufgedeckt wurde, hat die Feuerwehr in Gårda die illegale Vermietung eingestellt, wobei die Stadt, der Besitzer der Gebäude, nicht vorhat in der Geschichte weiterzugehen oder das Geld einzufordern.

Herbert Kårlin

Montag, 30. August 2010

Flohmarkt als Kampf gegen Abriss in Göteborg

Da die Svenska Mässan seit dem Jahre 2008 ein Parkhaus zu einer Mehrzweckhalle umbauen will, sind zahlreiche historische Gebäude des Stadtteil Gårdas vom Abriss bedroht und sollen neuen Parkplätzen Platz machen. Und natürlich handelt es sich dabei nicht nur um historische Gebäude, die sogenannten Landshövdingehus Göteborgs, sondern auch um Mietwohnungen, die in Göteborg eine Mangelware sind.

Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, veranstalteten die Bewohner der Häuser nun einen Flohmarkt unter dem Motte „Wir wollen nicht unsere ganze Habe auf diese Weise verkaufen müssen.“ Für Bewohner, die hier mit günstiger Miete wohnen, bedeutet der Abriss nicht nur ihre geliebte Umgebung zu verlieren, sondern gleichzeitig auch den Anschluss an die Stadt, denn um eine Wohnung mit nur annähernd günstiger Miete zu finden, müssen sie den gesamten Einzugsbereich Göteborgs verlassen.

Als Grund für den Abriss nimmt das sozialistisch regierte Göteborg natürlich nicht das Argument, dass man Anwohner entwurzeln will und ökonomische Interessen vorliegen, sondern dass Wohnungen mit Außentoilette nicht mehr bewohnbar sind. Die Bewohner der Häuser stören sich nicht an diesem Detail, sondern lieben ihre alten Holzböden, ihre Spiegeltüren und die Gemeinschaft, die sich für die Bewohner entwickelt hat, die zum Teil seit 30 Jahren in diesen Häusern wohnen, aber auch jedes Jahr Studenten als Mieter willkommen heißen.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 3. Juni 2010

300 Tote in Göteborg wegen schlechter Luft

Jedes Jahr sterben in Göteborg vorzeitig 300 Personen wegen ungewöhnlich hohen Schadstoffen in der Luft. In Westschweden sind es insgesamt sogar 1000 Personen. Am meisten betroffen sind die Bewohner des Stadtteils Hisingen, wie der jüngste Repport des Umweltmedizinischen Zentrums im Västra Götaland belegt.

Fünf Prozent der Bewohner des Västra Götaland klagen offen über die schlechte Luft und ihre hohe Belastung durch Schadstoffe. Längst ist es erwiesen, dass diese Luftverunreinigung die Anzahl der Herz- und Kreislauferkrankungen maßgeblich erhöht, ohne dass Göteborg oder die Region daran denken, diese Situation zu verbessern, zum Beispiel durch den Bau einer Umgehungsstraße oder den zwingenden Einbau von Spezialfiltern bei der vom Hafen abhängigen Industrie. Seit 1999 weist die Göteborger Luft bereits nahezu das gleiche Schadniveau auf.

Wie der Rapport ebenfalls beweist, leiden rund 300.000 Westschweden unter Lärm, der zum Großteil von Durchgangsstraßen kommt, die direkt an Wohngebieten vorbeiführen. Auch hier sind die Bewohner von Hisingen am meisten betroffen, wobei jedoch die Stadt Göteborg nun auch plant im Stadtteil Gårda direkt neben einer Hauptdurchgangsstraße Wohnungen zu bauen. An Stelle an einer generellen Verbesserung der Infrastruktur zu arbeiten, denkt die Stadtplanung ausschließlich an überholte Projekte wie den Västlänken, der nur geringe Verbesserungen an Lebensqualität mit sich bringen.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 24. Februar 2010

Ausstellung als Kampf gegen den Abriss alter Gebäude in Göteborg

Am Samstag, den 27. Februar 2010 wird im Stadsmuseum Göteborg eine Ausstellung besonderer Art eröffnet. In Form von Plakaten, Fotos und Filmdokumenten die sich über die Zeit von den 60er Jahren bis heute erstrecken, sollen alte Bauwerke in den Göteborger Stadtteilen Haga, Majorna und Gårda vor dem Abriss geschützt werden.

Die Initiative zu dieser Ausstellung, die durch Sensibilisierung Häuser retten soll, kommt von Karina Ekstrand, die auch den Dokumentarfilm „Nio Liv“ über die Rettung eines Gebäudes in der Karl Johansgatan in Majorna drehte, einem Gebäude, das zum Abriss bestimmt war, aber auf Grund einer Bürgerinitiative davon gerettet wurde und heute neu renoviert ist.

Nachdem nun mehrere Landshövdingehus aus den 20er Jahren im Stadtteil Gårda aktiv vom Abriss bedroht sind, soll die Ausstellung dabei helfen erneut eine Bürgerinitiative in die Wege zu leiten, die dazu führt, dass diese historischen Häuser erhalten bleiben können. Das Motte der Ausstellung heißt daher auch „Handeln statt schweigen und abwarten“.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Göteborg findet bis zum 14. April statt, wobei der Dokumentarfilm „Nio Liv“ von Karina Ekstrand sowohl am 14. März um 14 Uhr als auch am 7. April um 18 Uhr gezeigt wird.

Herbert Kårlin