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Donnerstag, 31. Oktober 2013

Göteborgs Kalender zeigt die Welt der Obdachlosen

Wenn heute die Obdachlosen Göteborgs die ersten Faktum-Kalender für das kommende Jahr verkaufen, so hat der Kalender nicht nur ein besonderes Thema, sondern gibt den Käufern auch einen Einblick in das Leben dieser Menschen, die über keinerlei Luxus verfügen und daher nicht wie jeder statistische Durchschnittsschwede jedes Jahr 5000 Kronen nur für Krimskrams ausgeben können, sondern sich jeden kleinsten Kauf sehr genau überlegen müssen. Es erstaunt daher, wenn man als Thema des Kalenders „Meine kleinen Schätze“ findet.

In der Tat hat das Meinungsforschungsinstitut Forsman & Bodenfors zwölf Obdachlose danach gefragt, was sie immer bei sich haben und nicht missen möchten. Jeder unter ihnen hatte irgend eine Kleinigkeit in der Tasche, das zwar keinerlei Marktwert hat, aber für den Einzelnen dennoch einen so großen Wert besitzt, dass er nicht ohne diesen Krimskrams leben möchte, da jedes Teil eine kleine Geschichte zu erzählen hat, an die sich jeder der Obdachlosen ohne eine Sekunde zu zögern sofort erinnern kann.

Der Fotograf Fredrik Lieberath versuchte dann die geliebten Objekte jedes Obdachlosen auf einem Kalenderblatt darzustellen und schreibt damit eine Art Kulturgeschichte der Obdachlosen Göteborgs, die diesen Kalender auch zu je 150 Kronen verkaufen, diese jedoch zuvor für 75 Kronen pro Stück, also die Hälfte der Verkaufssumme, kaufen müssen. Das Prinzip ist also das gleiche wie beim Verkauf der Obdachlosenzeitschrift Faktum und soll ein erster Schritt für all Verkäufer sein zurück in die Gesellschaft zu finden, wobei das Geldverdienen dabei ein Zusatzerfolg ist, denn das wichtigste ist zum sozialen Verhalten zurückzufinden.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 4. April 2013

Suspended Coffee in Göteborg

Suspended coffee ist eine Idee aus Italien, die ihren Weg bereits in zahlreiche Länder fand und, dank einer Facebook-Initiative, nun auch in Göteborg angekommen ist. Genau genommen machte hier die Espressobaren Pavement in der Andra Långgatan den Anfang und hofft bei dieser Initiative nicht allein zu bleiben, was auch wenig wahrscheinlich ist, auch wenn vermutlich die rein touristischen Einrichtungen von der Idee nicht sehr begeistert sind.

Suspended coffee bedeutet, dass jemand, der mehr Geld besitzt und in einem Café einen Kaffee bestellt, einen oder mehrere zusätzliche Kaffees bezahlt, jedoch die zusätzlichen Getränke nicht selbst trinkt, sondern für einen oder mehrere Bedürftige anschreiben lässt, die in der Regel kein Café besuchen können und sich nun auch ohne finanzielle Mittel an einen Tisch setzen können und dann einen im voraus bezahlten, den suspended coffee trinken können.

In der Regel gehen dieses suspended coffees an Obdachlose und Personen, die von der Sozialhilfe leben müssen oder aus anderen Gründen gegenwärtig in der Armut leben. Das Ziel ist natürlich nicht nur, dass diese Personen einen kostenlosen Kaffee in angenehmer Atmosphäre trinken können, sondern dass sie in den Cafés auch andere Gäste treffen und ein Gedankenaustausch stattfindet, der beide Seiten bereichern kann.

Herbert Kårlin

Billigflug.de

Mittwoch, 21. November 2012

Happyland 1979 in der Göteborger Johanneskyrkan


Wie bereits im vorigen Jahr, so präsentieren auch dieses Jahr das Folkteatern und die Göteborger Stadtmission wieder ein weihnachtliches Theater, das nicht nur dem Publikum eine Stück präsentiert, das die menschliche Gesellschaft in Frage stellt, sondern dessen Einnahmen auch ausschließlich den Bedürftigen der Stadt zu Gute kommen, die insbesondere im Winter die Hilfe ihrer Mitmenschen benötigen, da in dieser Zeit nicht nur der Hunger, sondern auch die Kälte zu schaffen macht.

Zwischen dem 27. November und dem 20. Dezember präsentiert die gemischte Schauspielgruppe in der Göteborger Johanneskyrkan jeweils am Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag um 19 Uhr das Stück Happyland 1979, das während der Theatersaison 1979/80 im Folkteatern 100 Mal vor ausverkauften Räumen gespielt wurde und bereits damals die gleichen Fragen aufwarf wie heute, als ob die Zeit stehen geblieben wäre oder die Menschen blind durch die Welt gehen.

Happyland ist kein Weihnachtsmärchen, das man im Allgemeinen zu Weihnachten erwartet, was schon der Ort der Handlung aussagt, denn 1979 war die Handlung in einen Einkaufstempel gelegt und dieses Jahr in eine Kirche, die Obdachlose beherbergt. Und auch wenn bei Happyland Engel, Hirten und die Jungfrau Maria mit auf der Bühne stehen, so geht die Frage nicht um die Biblische Geschichte, sondern darum, wer sich eigentlich um das Jesuskind kümmern soll, um die Frage der Mitmenschlichkeit und die Frage ob es in unserer Welt noch einen Platz für die Liebe gibt.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 13. Januar 2010

Obdachlose überleben den kalten Winter in Göteborg

Auch wenn es in Göteborg immer noch freie Betten für Obdachlose gibt ziehen es etwa 90 Personen vor keine Zuflucht zur Wärme zu suchen. Die intensive Arbeit von Stadtmission und anderen sozialen Diensten konnten während eines Jahres zwar etwa 40 Obdachlose im Winter zu ihren Unterkünften lotsen, aber ein „harter Kern“ will davon nicht sehr viel wissen.

Unter den 90 Obdachlosen, die nun schon seit zwei Wochen mit einer Kälte von bis zu minus 15 Grad zu kämpfen haben befinden sich vor allem Alkoholiker und psychisch Kranke, die sich eine Parallelwelt aufgebaut haben und oft die Gefahr der Kälte nicht verstehen. Bisweilen ist zu dieser Personengruppe keinerlei Kontakt aufzubauen.

Die Stadtmission und die Stadtpolizei Göteborgs konnten während der letzten zwei Wochen zwar nur noch wenige Obdachlose nachts ganz im Freien entdecken, denn manche ziehen sich in den offenen Teil des Bahnhofs oder der Nordstan zurück und wieder andere schlafen in Treppenhäusern oder auf öffentlichen Toiletten. Aber niemand kann sagen wie lange alle 90 Obdachlosen, die keine offizielle Schlafmöglichkeit suchen, bei bleibender Kälte noch überleben können.

Herbert Kårlin