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Dienstag, 8. Januar 2013

Göteborg boykottiert die Citymaut

Gerade erst wurde die Citymaut eingeführt und noch ist nicht bekannt wie viele Autofahrer auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen werden, so erklären bereits die öffentlichen Verkehrsbetriebe Västtrafik als auch die Stadt Göteborg und die Region Västra Götaland, dass die Preise für Nahverkehrszüge, Busse und Straßenbahnen noch dieses Jahr bedeutend ansteigen werden, was ein Auto trotz der Citymaut wieder zu einem „günstigen“ Gefährt machen könnte. Man sollte daher fast den Eindruck gewinnen, dass es Göteborg nicht um die Umwelt geht, sondern darum eine möglichst hohe Zusatzsteuer einnehmen zu wollen.

Västtrafik eröffnete das Jahr 2013 mit der Aussage, dass die gegenwärtigen Treibstoffpreise und die Personalkosten so hoch sind, dass die beiden Preiserhöhungen des letzten Jahres nicht ausreichen um die Kosten zu decken. Die Verkehrsbetriebe denken daher auch dieses Jahr an eine Preissteigerung von bis zu zehn Prozent, was bedeutet, dass die billigste Monatskarte, die alle Randgebiete ausnimmt, 550 Kronen kosten wird, während man in Malmö nur 350 Kronen bezahlen muss. Beim gegenwärtigen Rhythmus der Preissteigerung von Västtrafik wird man bereits 2014 also vermutlich 600 Kronen für die Innenstadt bezahlen und etwa 1000 Kronen, falls man nur eine einzige Zone am Rande der Stadt benutzen will.

Wer jedoch glaubt, dass diese Preise dann auch angewandt werden, täuscht sich, denn die Stadt und die Region wollen gleichzeitig die Subventionen für die öffentlichen Verkehrsmittel kürzen und diese Kürzungen auf die Benutzer verlagern, was in den nächsten zwei Jahren eine Preissteigerung von etwa 20 Prozent bedeuten soll und anschließend noch mehr werden kann. Wenn man diese Summe mit in die neuen Fahrpreise einbezieht, so hat Göteborg die teuersten öffentlichen Verkehrsmittel Schwedens und jemand im Vorort, der dann das Auto stehen lässt und den Bus nimmt, kann nicht mehr rechnen, denn der Buspreis liegt dann über der höchstmöglichen Citymaut.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 3. Januar 2013

Citymaut in Göteborg und Pendler

Pünktlich um sechs Uhr morgens setzte sich die Maschinerie und die Technik der 36 Bezahlstationen in Göteborg in Gang, die garantieren sollen, dass die Citymaut weniger Verkehr in die Innenstadt bringt und so nebenbei auch einen Beitrag gegen die Umweltverschmutzung leistet. Die Stellung der Göteborger zu dieser Zusatzsteuer ist geteilt und das Straßenverkehrsamt konnte bisher auch nicht erklären welche Vorteile sich den Göteborgern nun wirklich auftun.

Die Busse waren gestern auch während der rush hour weitaus leerer als gewöhnlich, was zu erwarten war, da die Zerreißprobe erst nach dem 6. Januar beginnen wird, da viele Schweden noch im Urlaub sind. Kurz vor sechs Uhr konnte man jedoch bemerken, dass weitaus mehr Fahrzeuge die Zahlstellen passierten als üblich, damit die Fahrer noch kostenlos zum Arbeitsplatz kamen, was bedeutet, dass sich die ersten Staumöglichkeiten nun etwas verschoben hat.

Die Stadt hat den Tag natürlich gut gewählt, da man nun, ohne die Urlaubssituation zu berücksichtigen und die Autos zu zählen, die vor sechs Uhr in die Stadt kommen, erzählen kann, dass sich der Verkehr um rund 25 Prozent reduziert hat und dies bedeutet, dass man nun schneller mit dem Auto in die Stadt kommen kann. Die Milchmädchenrechnung geht natürlich nicht ganz so auf, denn auch wenn man mit einem Auto nun vielleicht vier oder fünf Minuten gewinnen sollte, so verlieren jene, die den Bus nehmen auch schnell 30 Minuten und jene, die mit einem kalten Auto zum Pendelparkplatz fahren kann man wohl kaum als Umweltschützer betrachten. Nach einer Nettoberechnung stellt man daher fest, dass die Fahrt zur Arbeit mit der Citymaut im statistischen Durchschnitt länger wurde.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Fehlplanungen bei der Citymaut

Auch wenn die Entscheidungen zur Citymaut in Göteborg bereits seit 2009 eine festgelegte Sache ist, so hat man bis heute nicht die nötige Infrastruktur geschaffen, die mit der Einführung der Maut verbunden ist, da die Fixpunkte in den Entscheidungen sich wenig um die betroffenen Bürger drehten, sondern darum, dass die Maut so schnell wie möglich eingeführt werden muss und ein gigantisches Projekt in Gang gesetzt wurde, dessen Kosten heute noch niemand abschätzen kann.

Eines der wichtigsten Probleme am 1. Januar 2013 wird sein, dass es für Pendler nicht genügend Parkplätze geben wird, so dass für viele die Frage nach einem Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht erst in die Diskussion kommt, sondern die Stadt Göteborg einen Teil ihrer Bürger einfach zum Bezahlen einer Zusatzsteuer zwingen wird, da das Ziel der Maut in Göteborg ohnehin nichts anderes ist als möglichst viel Geld für das Infrastrukturpaket einzunehmen.

Aber auch andere Probleme werden erst im Laufe des Jahres 2013 oder gar erst 2014 behoben sein, denn die Fahrradwege sind nicht entsprechend ausgebaut, dass alle Göteborger auch ohne bedeutende Gefährdung mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können und einige Eisenbahnstationen an denen längere Züge eingesetzt werden, haben nicht die entsprechend langen Bahnsteige, so dass man vom letzten Wagon aus eben auf den Schotter springen muss. Sicher ist für den Stadtrat jedoch eines: Die Maut wird pünktlich eingeführt, egal wie schlecht das ganze Projekt geplant und koordiniert ist.

Herbert Kårlin