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Der Walpurgisabend am 30. April ist in Göteborg mit dem legendären „Karnevalsumzug“ der Studenten der Technischen Hochschule Chalmers verbunden. Damit dieser Umzug jedoch auch erfolgreich wird, sind die zukünftigen Studenten diese Woche besonders aktiv und sind, trotz der laufenden Kurse, eifrig mit dem Bau der verschiedenen Attraktionen beschäftigt, und sie versuchen ihre Entwicklungen bis zum letzten Moment so geheim wie möglich zu halten.
Der erste Umzug der Chalmers-Studenten geht bis zum Jahre 1909 zurück und, bis auf zwei Ausnahmen in den Jahren 1912 und 1940, wurde dieser Umzug, der in vielen Punkten dem Karnevalsumzug in Mainz, Köln oder Düsseldorf nahe kommt, regelmäßig am gleichen Tag veranstaltet. Der Unterschied zum deutschen Karneval ist jedoch, dass in Göteborg die Technik eine große Rolle spielt, denn schließlich handelt es sich um Ingenieure, die für den Bau der Attraktionen zuständig sind.
Während die meisten Installationen auf den Ladeflächen von Lastwagen zu finden sind und auf eine Gruppenarbeit aufbauen, beteiligen sich jedoch auch einzelne Studenten und Minigruppen mit individuellen Lösungen. Allerdings mit einer Ausnahme, denn das historische Fahrrad mit seinem riesigen Vorderrad aus dem Jahre 1910 begleitet den Umzug auch heute noch und findet jedes Jahr seine Liebhaber. Auch wenn man Studenten eine gewisse Trinkfreude zuschreibt, so ist allen Beteiligten des Chalmers Cortège seit 1973 jeder Alkohol verboten und schon nach einem Glas Bier wird man eliminiert.
Herbert Kårlin

Am heutigen Samstag findet der 37. farbenprächtige Karnevalsumzug im Göteborger Stadtteil Hammarkullen statt, einem multikulturellen Stadtteil, der trotz seiner nur rund 8000 Einwohnern jedes Jahr den größten skandinavischen Karneval auf die Beine stellt, der im letzten Jahr etwa 70.000 Zuschauer in den Vorort lockte. Auch wenn der Umzug des Hammakullekarnevalen mit seinem internationalen Einschlag als der Höhepunkt betrachtet wird, so hat sich die Veranstaltung zu weitaus mehr entwickelt.
Der Karneval mit Diskussionen, internationalem Essen, Tanz und Animation für Kinder konnte sich gerade wegen seiner kulturellen Vielfalt zu dem entwickeln, was er heute darstellt, denn fast 3000 der Bewohner des Stadtteils sind Einwanderer, die es schafften sich in rund 50 verschiedenen Vereinen zu engagieren und damit eines der bedeutendsten Ereignisse der Stadt zu schaffen, das sich weniger an Touristen richtet, sondern vor allem an die Bewohner des Västra Götaland.
Der Nachteil dieser Struktur ist natürlich, dass die Tanzgruppen ihre Kleidung und ihren Schmuck selbst finanzieren müssen und die Organisation in den Händen von einigen Wenigen liegt. Dies ist auch einer der Gründe, warum sich Tony Parath, der Karnevalchef, Gedanken über diesen Göteborger Karneval macht, denn das Publikum sucht jedes Jahr eine Steigerung und Neuerungen, was jedoch die finanzielle Situation nicht zulässt. Wer allerdings den heutigen Karnevalsumzug verpasst, kann einen etwas reduzierten Umzug noch während des Göteborger Kulturfestes entlang der Avenyn bewundern.
Herbert Kårlin
Obwohl die Stadt Göteborg seit 2009 eine Baugesellschaft sucht, die im Göteborger Stadtteil Hammarkullen 1000 Wohnungen baut, interessiert sich keine Gesellschaft für die bereits erschlossenen Bauplätze. Nicht einmal die städtischen Unternehmen sind daran interessiert der Idee des Göteborger Bauamts zu folgen, auch wenn die Nachfrage an Wohnungen in Hammarkullen sehr stark ist und die Wohnungsnot in Göteborg steigt.Das Problem dürfte dem Göteborger Bauamt jedoch schon bei der Planung der Wohngegend bekannt gewesen sein, denn Hammarkullen hat den größten Ausländeranteil Göteborgs, die schlechteste Infrastruktur der Stadt und die höchste Quote an Arbeitslosen, was erwarten lässt, dass der Bauherr nur sehr schlecht an seine Miete kommen wird und das Projekt sich sehr schnell als unrentabel zeigen wird.Das nächste Problem besteht darin, dass das Göteborger Bauamt dort vor allem auf Wohnungen nach dem Bostadsrätt hofft, einer Wohnart, die nur für jene in Frage kommt, die ein höheres Einkommen haben, einen gewissen Standard suchen und kaum geneigt sind nach Hammarkullen zu ziehen, einen Stadtteil, der nur wegen seiner internationalen Karnevalsveranstaltung bekannt ist, von vielen Göteborgern jedoch als Ghetto für Einwanderer aus südamerikanischen und arabischen Ländern betrachtet wird.Herbert Kårlin
Das Stadtmuseum Göteborg beantragte in Europa eine finanzielle Unterstützung um die Rolle und die Veränderung des Hammarkullekarnevalen dokumentieren zu können, da die Unterstützung Schwedens für diese Art von Untersuchungen rückläufig ist und als nebensächlich behandelt wird. Göteborg selbst sieht jedoch den Hammarkullekarnevalen als wichtigen Teil eines Integrationsprogramms, das nicht vernachlässigt werden darf und international mehr Aufmerksamkeit verdient.
Gemeinsam mit acht anderen Städten Europas, in denen ebenfalls Karnevale stattfinden, will Göteborg nun die Entwicklung der Karnevale im letzten Jahrhundert untersuchen und Unterschiede aufzeichnen, aber auch nach den Elementen suchen, die allen Karnevalen Europas gemein sind. Die Untersuchung soll auch zu einem Gedankenaustausch dienen, der allen an der Untersuchung beteiligten Karnevalen zu Nutzen sein kann.
In erster Linie geht es Göteborg bei dieser Untersuchung natürlich darum den eigenen Karneval in Europa bekannter zu machen, zumal die Untersuchung zum 40-jährigen Jubiläum des Hammarkullekarnevalen in vier Jahren präsentiert werden soll. Da der Hammarkullekarnevalen insbesondere von Einwanderern gegründet und geleitet wird und nur am Rande auch schwedische Eigenheiten integriert, ist ein Vergleich der verschiedenen Karneval-Ereignisse eine gewisse Herausforderung für das Stadsmuseet in Göteborg.
Herbert Kårlin
Seit 1974 findet in Göteborg jährlich der Hammarkullekarnevalen statt, der größte Karneval Skandinaviens, der sehr viele Elemente eines südamerikanischen Karnevals beinhaltet und vermutlich der multikulturellste Karnelval weltweit ist, wo afrikanische Gruppen ebenso teilnehmen wir Kurden, Schweden oder Brasilianer. Dieses Wochenende erhält Hammarkullen nun erneut sein farbenprächtiges Schauspiel.Auch wenn der Hauptteil des Hammarkullekarnevalen der mehrstündige Karnevalsumzug am Samstag um 12 Uhr ist, bei dem man sich sehr zeitig einen guten Platz suchen muss, um auch viel von den Tänzern zu sehen, so finden man bereits ab Freitag Abend zahlreiche andere Vorstellungen auf den im Göteborger Stadtteil Hammerkullen aufgebauten Bühnen.Zu den Tänzen, der Musik und anderer Unterhaltung aus den verschiedenen Teilen der Welt lädt Hammarkullen an diesem Tag auch zu einem Volksfest mit Jahrmarktsattraktionen für Kinder ein und bietet einen Markt auf dem man sowohl afrikanische, mexikanische, arabische oder bolivianische Spezialitäten kosten kann. Der Karneval endet jeweils am Sonntag Nachmittag.Herbert Kårlin

Der Göteborger Hammarkullekarnevalen macht einen weiteren Schritt auf der öffentlichen Szene. Zwischen dem 2. und dem 8. November nimmt eine Gruppe von 63 Personen am First National Festival of Folk Art Iraq in Kurdistan teil und repräsentiert damit Göteborgs Karneval in sechs verschiedenen Städten Kurdistans.Nachdem bisher nur eine sehr kleine Gruppe der passionierten Tänzer im Ausland auftraten, ist dies das erste bedeutende internationale Ereignis an dem Teile des Hammarkullekarnevalen auch außerhalb Schwedens Beachtung findet. Dies ist umso beachtenswerter, da beim Hammarkullekarnevalen nur Amateure auftreten.Die Reise nach Kurdistan erfolgte in Bussen, was an die Veranstalter eine besondere Herausforderung stellte, da die Kostüme, und vor allem die Federn, nicht nur im Bus transportiert werden mussten, sonder auch mehrere Zollstellen zu passieren hatten und allein die Federn ein großes Volumen und ein beträchtliches Gewicht aufweisen.Herbert Kårlin