Donnerstag, 14. März 2013

Immer mehr Wohnungslose benötigen eine Wohnung in Göteborg

Gegenwärtig stellen städtischer und privater Wohnungsmarkt den Sozialämtern jährlich 300 Wohnungen zu Verfügung, die vorrangig an Bedürftige gegeben werden können, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance auf eine Mietwohnung haben. Meist handelt es sich bei dieser Gruppe an Personen um Menschen, die vorher von Drogen oder Alkohol abhängig waren oder andere Probleme hatten, die sie von der Gesellschaft ausgrenzten und zum Verlust einer Wohnung führten.

Auch wenn 300 Wohnungen im Jahr auf den ersten Blick sehr positiv klingt, so steigt in Göteborg mittlerweile die Gruppe der bedürftigen Personen sprunghaft an, denn für 2013 benötigen die Sozialämter voraussichtlich rund 500 dieser Wohnungen, was bedeutet, dass weitere 200 Mietwohnungen Göteborgs dem freien Markt entzogen werden müssen und damit die Wohnungsnot für eine andere Schicht der Stadt erhöht wird, da der Neubau von Mietwohnungen sich kaum bewegt.

Um eine dieser „Vorzugswohnungen“ zu erhalten, muss allerdings nicht nur ein Bedarf auf eine Wohnung bestehen, sondern der zukünftige Mieter muss auch nachweisen, dass er nicht mehr von Alkohol oder den Drogen abhängig ist und auch in der Lage ist die Miete zu bezahlen. Um das Risiko zu vermindern, werden den Betroffenen die Wohnungen die ersten 18 Monate zudem nur probeweise vermietet, denn erst nach dieser Bewährungszeit erhalten sie einen normalen Mietvertrag, der eine gewisse Sicherheit bietet.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 13. März 2013

Göteborger Busse nach wie vor eine Gefahr

Obwohl die Betreiber der Busse die für die öffentlichen Verkehrsmittel Göteborgs eingesetzt werden nach jedem Mängelbefund der Polizei versichern nur noch Fahrzeuge einzusetzen, die keine Gefahr für Verkehr und Fahrgäste sind, zeigen die Kontrollen durch die Verkehrspolizei nach wie vor ein anderes Bild. Die häufigsten Fehler sind nach wie vor tropfendes Öl, schlecht funktionierende Bremsen, defekter Klemmschutz und ein mangelnder Brandschutz.

Was der Polizei jedoch auffällt, ist die Tatsache, dass selbst Fahrzeuge die kurz zuvor vom schwedischen TÜV geprüft wurden, die gleichen Fehler zeigen wie die anderen Busse. Da die Kontrolle der Fahrzeuge noch immer nahezu ausschließlich von den staatlichen Prüfern vorgenommen wird, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass dort systematisch Busse für sicher befunden werden, die wenige Tage oder Wochen später bedeutende Mängel aufweisen.

Nach Polizei und TÜV handelt es sich daher in manchen Fällen um eine bewusste Täuschung durch die Betreiber der Busse, die vor der Kontrolle eine Motorwäsche vornehmen, damit man tropfendes Öl nicht entdeckt, die Fehler provisorisch und nur für eine kurze Zeitspanne reparieren oder sogar nur vorübergehend Feuerlöscher in den Fahrzeugen anbringen, damit die Kontrolleure einen guten Eindruck von den Bussen bekommen. Die Betreiber der Busse widersprechen natürlich dieser Aussage und behaupten, dass die Polizei Kleinigkeiten als Mangel kritisiert, die bei einer Kontrolle durch den TÜV als korrekt bezeichnet werden.

Herbert Kårlin

Dienstag, 12. März 2013

Ohne Spitzenarbeitsplatz keine Wohnung in Göteborg

Wer bei einer der städtischen Baugesellschaften nach einer Mietwohnung sucht und vielleicht nach Jahren endlich an der Stelle der Liste angekommen ist, die im Grunde eine Wohnung garantiert, kann diese Wohnung nur dann erhalten, wenn er auch ein sicheres Einkommen in bedeutender Höhe nachweisen kann, denn damit die Gesellschaft den Mieter akzeptiert und als sicher einstuft, muss er mindestens dreimal die Summe dessen verdienen, die er an Miete bezahlen muss.

Bei den meisten einfacheren Wohnungen Göteborgs in mittlerer Lage bedeutet dies, dass man zwischen 25.000 und 30.000 Kronen im Monat verdienen muss, eine Summe, die weder Migranten, noch Berufsanfänger oder Teilzeitbeschäftigte verdienen und auch bei vielen völlig normalen Arbeiten den Durchschnittsverdienst übersteigt. Dass der eventuelle Mieter keine Schulden haben darf und auch nicht anderweitig aufgefallen sein sollte, versteht sich von selbst.

Natürlich versteht auch in Göteborg jeder, dass ein städtisches Unternehmen sicher sein will, dass die Miete bezahlt wird, aber es sollte dennoch jedem selbst überlassen sein zu bewerten ob er der Belastung gewachsen ist und ob er ein Drittel oder die Hälfte seines Gehaltes für die Miete einsetzt. Bei Berufsanfängern helfen auch oft die Eltern mit einem regelmäßigen Zuschuss, aber diese Möglichkeit gilt für die Stadt als nicht relevant. Wer wenig verdient kann nur bei Eltern und Verwandten wohnen oder muss nach einer Untermiete greifen, die meist teurer ist als eine normale Mietwohnung und dem Geringverdiener klar macht, dass er ein Bürger zweiter Klasse ist.

Herbert Kårlin

Montag, 11. März 2013

Sichere Arbeitsplätze in Göteborg

Im Jahr 2012 wurde allen Teilzeitangestellten der städtischen Einrichtungen Göteborgs eine Vollbeschäftigung angeboten, eine Forderung, die die Gewerkschaft bereits seit Jahren ohne Erfolg gestellt hatte. Selbst die Angestellten, die weiterhin nur Teilzeit arbeiten wollten, erhielten einen Vertrag, der ihnen ermöglichte später zu jeder Zeit um eine Vollbeschäftigung zu bitten, da die Stunden, die zur Vollbeschäftigung fehlten als unbezahlte Urlaubszeit gerechnet werden.

Die einzige Eingrenzung war jedoch, dass 20 Prozent der Arbeitszeit als sogenannte Resourcezeit gerechnet wird, was bedeutet, dass die Angestellten in dieser Zeit für andere als die ihnen aufgetragenen Arbeiten eingeteilt werden können, die Einteilung dieser Zeit jedoch selbst bestimmen können. Diese Änderung, die stufenweise in allen Stadtteilen erfolgt, soll es allen Angestellten ermöglichen sich von ihrem Gehalt auch versorgen zu können.

In der zweiten Stufe beginnt nun im Jahre 2013, dass alle Angestellte, die nach Einsatz und mit Stundenlohn bezahlt werden - und meist keine qualifizierte Ausbildung haben - ausgebildet werden sollen und nach einem weiteren Jahr mit mindestens 200 verschiedenen Arbeitseinsätzen ebenfalls voll übernommen werden und eine volle Arbeitsstelle erhalten sollen. Von dieser neuen Maßnahme sind vor allem Frauen betroffen, die bisher stundenweise im Pflegedienst der Stadt eingesetzt wurden.

Herbert Kårlin

Svenska Mässan Göteborg

Sonntag, 10. März 2013

Das Wachstum Göteborgs ist rückläufig

Nach dem Statistischen Amt zählte die Stadt Göteborg ohne Randgebiete am letzten Dezember vorigen Jahres genau 526.089 Einwohner, was unter der bisher erwarteten Zahl liegt, auch wenn es bedeutet, dass die Stadt im Laufe des Jahres 2012 um 5715 Personen wuchs, die bei den Planungen der künftigen Infrastruktur berücksichtigt werden müssen.

Dass sich das Wachstum Göteborgs im Jahre 2012 etwas verlangsamte, liegt vor allem an der hohen Rückwanderung von Migranten, denn insbesondere Flüchtlinge aus dem Irak verlassen Göteborg immer häufiger um in die Heimat zurückzukehren. Die Rückwanderung hat sich auf Grund der steigenden Arbeitslosigkeit im vorigen Jahr in alle Länder beschleunigt, da eine immer größere Schicht an Migranten keine Zukunft mehr in Schweden sieht. Insgesamt verließen im vorigen Jahr 5273 Migranten Göteborg, 737 mehr als im Jahre 2011, wobei der Trend weiterhin steigend ist.

Dass die Bevölkerung in Göteborg dennoch weiterhin noch wächst, liegt jedoch nicht nur an der Arbeitszuwanderung und der relativ geringen Sterberate, sondern auch daran, dass im vergangenen Jahr 7621 Kinder in Göteborg zur Welt kamen, 113 mehr als im Jahre 2011, aber immer noch 236 weniger als im Spitzenjahr der Geburten 2010. Die Trend in Göteborg ist, nach dem Statistischen Amt, auf ganz Schweden zu übertragen.

Herbert Kårlin

Samstag, 9. März 2013

Archäologische Baustelle in Göteborg

Bevor man nun im alten Teil Göteborg, dem Gamlestadstorget, Neubauten hochziehen wird, will man mehr über die Vergangenheit Göteborgs wissen, denn an dieser Stelle lag vor rund 600 Jahren eine der Vorgängerstädte Göteborgs, nämlich Nya Lödöse, eine Stadt von der wir bis heute nur relativ wenig wissen, da man sich beim Bau dieses Stadtteils wenig für archäologische Reichtümer interessierte.

Gegenwärtig sind 25 Archäologen damit beschäftigt eine Fläche von 7000 Quadratmetern schichtweise zu untersuchen, in der Hoffnung so viel wie möglich über die Anlage von Nya Lödöse zu erfahren, aber auch welche Tiere dort genutzt wurden, wovon sich die Bevölkerung ernährte und welche Pflanzen man damals anbaute, denn je mehr man hier findet, um so klarer wird das Bild dieser alten Stadt, die man bisher nur aus Aufzeichnungen kennt.

Nya Lödöse musste beim Bau des Stadtkerns von Göteborg (innerhalb des Wallgrabens) zwangsweise verlassen werden und die Gebäude wurden abgebrannt, damit die Bevölkerung nicht von der neu zu bevölkernden Stadt zurückkehren konnte. Bisher ist die Existenz von Nya Lödöse lediglich durch historische Aufzeichnungen bekannt, die jedoch mehr Aufschluss über die Handelstätigkeiten und die Bedeutung der Stadt geben als über das Leben der Bewohner als solches. Vorerst sind die Arbeiten bis Oktober des Jahres angesetzt, wobei die Bevölkerung in dieser Zeit viermal die Gelegenheit haben wird an einer Führung teilzunehmen.

Herbert Kårlin

Freitag, 8. März 2013

Schulen in Göteborg ohne Bibliothek

Obwohl es seit dem 1. Juli 2011 in Schweden ein Gesetz gibt nach dem jede Schule des Landes über eine Bibliothek verfügen muss, stellte die Schulinspektion in Göteborg bei einer Kontrolle im letzten Jahr fest, dass sich rund 20 Prozent der knapp 100 Grundschulen in Göteborg nicht um das Gesetz kümmern und bisher nicht einmal geplant hatten in absehbarer Zeit eine Schulbibliothek einzurichten.

Als nun die Grundschulen in Göteborg erneut  vom Schulamt überprüft wurden, stellten die Prüfer fest, dass sich bisher kaum etwas verbessert hat. Dieses Mal kamen die Schulen jedoch nicht mit einer harmlosen Warnung aus, sondern das Schulamt machte den Direktoren der Schulen zur Auflage innerhalb von drei Monaten entweder eine Bibliothek einzurichten oder einen klaren Plan vorzulegen, der aussagt warum es noch keine Bibliothek gibt und bis wann diese nun definitiv eingerichtet werden kann.

Für so manchen Schuldirektor bedeutet diese Auflage allerdings das dafür nötige Geld von anderen Bereichen abzuziehen, die in ihren Augen für einen guten Unterricht notwendiger sind als eine vermutlich sehr kleine Bibliothek, die nicht nur einen finanziellen Aufwand mit sich führt, sondern auch zusätzliche Arbeitszeiten und einen Raum benötigt. Leider handelt es sich bei dem neuen Gesetz um eine Auflage, die jede einzelne Schule betrifft, wobei nicht in Erwägung gezogen wird eine rotierende Bibliothek einzurichten, die es erlauben würde, dass jeder Schüler Zugang zu einer weitaus größeren Auswahl an Bücher kommt als in einer Minimalbibliothek.

Herbert Kårlin