Freitag, 7. Dezember 2012

Mieterhöhungen um 60 Prozent in Göteborg

Der Streit zwischen den Mietern der 770 Wohnungen im Pennygången im Göteborger Stadtteil Högsbo und dem Vermieter Stena Fastigheter ging nun in die vermutlich letzte Runde, da sich der Mietausschuss nun in letzter Instanz damit beschäftigt welche der beiden Seiten mit seinen Argumenten den längeren Strohhalm zieht. Stena zeigt sich jedenfalls nicht freiwillig bereit auf Mieterhöhungen von 60 Prozent zu verzichten und die entsprechenden Wohnungen nur dem aktuellen Standard anzupassen und nicht bedeutend aufzuwerten.

Die Karten für Stena Fastigheter stehen indes gut, denn es gibt kein Gesetz, das ihnen eine Aufwertung von Mietwohnungen verbietet um anschließend auch die Mieten dem neuen Standard anzupassen. Von Seiten der Mieter steht daher nur die Aussage, dass sie im Laufe von Jahrzehnten bereits einen Anteil für Modernisierungen bezahlt haben und Stena die Einnahmen daher teilweise zweckentfremdete. Aber auch die Anwendung von Mietgeldern ist in Schweden bisher nicht gesetzlich geregelt, auch wenn es für Mieter selbstverständlich scheint.

Um seine Vorteile auszubauen hat Stena Fastigheter seinen Mietern auch angeboten eine andere Wohnung des Konzerns zu beziehen, sollten sie die neuen Mieten nicht bezahlen können. Aber auch wenn dieser Vorschlag gut klingt, so verpflichtet niemand Stena eine gleichwertige Wohnung zu bieten, sondern kann auch eine mit schlechterem Komfort in einem Randgebiet für die gleiche Miete wie vorher anbieten, in der Hoffnung, dass der Mieter dann ganz freiwillig seinen Mietvertrag kündigen will - oder darauf warten darf, dass die neue Wohnung auch modernisiert wird.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Kein Gleitschutz für Rentner in Göteborg

Obwohl die Stadtverwaltung Göteborgs bereits im Juni des Jahres zusicherte, dass alle Bürger der Stadt über 65 Jahren im Herbst 2012 mit einem kostenlosen Gleitschutz für Schuhe versorgt werden, damit die Unfälle durch Ausrutschen geringer werden und damit die Kosten für Ärzte und Krankenhäuser reduziert werden, sieht es nun so aus, als ob die Zusage frühestens im kommenden Jahr erfüllt wird, wenn überhaupt.

Bis heute hat sich der Stadtrat noch nicht zusammengesetzt um über eine klare Vorgehensweise zu entscheiden oder nach Kostenvoranschlägen zu fragen. Alle Rentner, die sich daher auf den kostenlosen Gleitschutz und damit den Stadtrat verlassen haben werden nun von der Stadt im Stich gelassen und müssen sich jetzt beim plötzlichen Wintereinbruch selbst den Gleitschutz kaufen und natürlich auch die Preise bezahlen, die in Notfallsituation verlangt werden.

Das vorgesehene Geschenk an die 80.000 Rentner und Pensionäre Göteborgs kann nun, im besten Fall, kommenden Herbst verteilt werden. Die Aktion, die von der Opposition nicht mitgetragen wird, wird die von Steuern finanzierte Stadtkasse mit etwa zehn Millionen Kronen belasten, zumal unbekannt ist wie viele ältere Personen längst und regelmäßig einen Gleitschutz kaufen und daher kein Doppel benötigen und für wie viele die Ausgabe bisher zu hoch war und daher eher einen Unfall riskierten müssen. Eine sinnvolle Untersuchung könnte die Kosten unter Umständen halbieren.

Herbert Kårlin

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Kindergärten in Göteborg werden kritisiert

Vor den letzten Wahlen versprach die rot-grüne Mehrheit des Göteborger Stadtrates die Gruppen in Kindergärten zu reduzieren, neue Kindergärten zu bauen und eine Milliarde in den Ausbau der Einrichtungen zu investieren, damit Kinder nicht mehr in provisorischen Anlagen untergebracht werden müssen und sich in den Kindergärten wohl fühlen. Nach über zwei Jahren zeigt sich nun, dass es sich um leere Wahlversprechen handelte und die Gelder lieber in Lohnerhöhungen für die Spitzenkräfte der Stadt ausgegeben werden.

Bei der jüngsten Untersuchung der Schulinspektion wurden nun erneut die Hälfte aller Stadtteile wegen der üblen Situation im Vorschulbereich kritisiert. Statt dass die Gruppen in den Kindergärten kleiner werden, werden sie in zwei Stadtteilen im Jahr 2013 sogar größer und die anderen behalten die aktuelle Größe, da weder die nötigen Räumlichkeiten, noch das notwendige Personal zur Verfügung stehen. Erschwerend kommt hierbei hinzu, dass die Stadtverwaltung bereits zum 31. Oktober 2012 erklären sollte wie sie die Zukunft der Kindergärten sieht und wann die bisher kritisierten Punkte verbessert werden.

Die Stadt Göteborg verweist darauf, dass es keinerlei Bestimmung gibt, die darüber Auskunft gibt wie viele Kinder in einer Gruppe sein sollen, sondern die Anzahl nur auf den Bedarf der Kinder abgestimmt werden soll damit die Pädagogik nicht zu leiden hat, eine nichtssagende Aussage, die jedoch vernachlässigt, dass Psychologen hierzu sehr wohl eine klare Meinung haben. Die Schulinspektion hat nun, bei den neuen Kontrollen, in fünf Stadtteilen genau den Schwachpunkt kritisiert, dass nämlich der Bedarf der Kinder nicht berücksichtigt wird und die Pädagogik im Argen liegt.

Herbert Kårlin

Dienstag, 4. Dezember 2012

Öffentliche Unterwasserforschung in Göteborg

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Göteborger Universität in Meeresökologie wurde bei Blåbergsholmen im Gullmarsfiorden in der Nähe von Lysekil ein typisch schwedischer Hummerkäfig in einer Tiefe von 31 Metern befestigt, der rund um die Uhr über eine Kamera beobachtet werden kann, da der Hummerkrob von einer LED Lichtquelle beleuchtet wird. Das Besondere dabei ist, dass nicht nur die Forscher das Verhalten der Meerestiere verfolgen können, sondern jeder, der Zugang zu Internet hat.

Die Forscher der Göteborger Universität wollen an Hand dieses Käfigs das unterschiedliche Verhalten der Meerestiere verfolgen, abhängig davon welche Beute sich im Inneren des Käfigs befindet. Das Ergebnis ist vollkommen offen, da sich zwar in dieser Tiefe auch die norwegischen Hummer aufhalten, jedoch auch zahlreiche andere Tiere, deren Zusammenleben bisher wenig bekannt ist, den Hummerkäfig besuchen.

Natürlich kann dieses Projekt nicht mit Hilfe einer einzigen Einrichtung dieser Art alle noch offenen Fragen beantworten, weshalb die Forscher auch mehrere dieser kameraüberwachten Käfige entlang der Küste aufbauen werden und zusätzlich hoffen, dass die Allgemeinheit sich am Forschungsprojekt beteiligt und der Universität jede außergewöhnliche Beobachtung mitteilt. Wann die ersten Ergebnisse vorliegen ist bisher unbekannt.

Herbert Kårlin

Montag, 3. Dezember 2012

Kampf gegen Lärm in Göteborg

Da übermäßiger Lärm nicht nur Hörschäden verursachen kann, sondern auch das Risiko für stressbezogene Krankheiten steigert und Lärm in Schweden jährlich hunderte von Leben kostet, hat Göteborg bereits 2008 einen ersten Fünfjahresplan beschlossen, der den Lärm in Wohnungen reduzieren soll. Nun geht die Stadt die zweite Phase mit einem weiteren Fünfjahresplan an, der das Gesamtmilieu der Stadt berücksichtigt.

Nach dem neuen Plan spielt vor allem die Entspannung in Grünflächen eine wichtige Rolle, da man in Göteborg gegenwärtig zehn Grünanlagen zählt in denen die Lärmbelästigung über den gesundheitlich empfohlenen Werten liegt. Innerhalb von fünf Jahren sollen nun Methoden gefunden werden, die es ermöglichen dass der Lärm in keiner der Grünanlagen der Stadt 50 Dezibel überschreitet, was insbesondere für den Kungsparken und den Vasaparken eine wahre Herausforderung ist.

Der zweite wichtige Punkt dieses Anti-Lärm-Plans betrifft die Pausenhöfe und Spielflächen von Kindergärten und Schulen, da auch hier der nahe Straßenverkehr oft zu einer Lärmbelästigung führt, die auf Kosten der Konzentrationsfähigkeit der Kinder geht. Hier soll der maximale Lärmpegel auf 55 Dezibel begrenzt werden, was gegenwärtig bei 18 dieser Einrichtungen nicht der Fall ist. Man hofft in Göteborg im ersten Schritt auf jeden Fall bei 95 Prozent dieser Einrichtungen das angestrebte Ziel zu erreichen.

Herbert Kårlin

Sonntag, 2. Dezember 2012

HIV und Mode in Göteborg


Am internationalen World Aids Day am gestrigen Samstag war HIV in ganz Göteborg ein wichtiges Gesprächsthema. Das Röhsska Museum geht jedoch in diesem Punkt einen Schritt weiter und lässt das Thema mit Sonnenuntergang nicht sterben, sondern eröffnete an diesem Tag die Ausstellung „Wir leben alle mit HIV“, die bis zum 2. Juni 2013 allen interessierten Besuchern offen steht.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit mehreren Gruppen, die in Göteborg mit dem Thema HIV arbeiten, baut nicht nur auf Schlagzeilen der Presse und Aktionen der 80er und 90er Jahre auf, sondern lässt auch die Mode der entsprechenden Epochen zu Worte kommen, denn man darf nicht vergessen, dass auch mehrere Modehäuser und Designer sich seit 30 Jahren um eine Aufklärung zum Thema HIV bemühten und durch den Verkauf von Kleidungsstücken die verschiedensten Aufklärungsaktionen stützten.

Sicher gibt eine Ausstellung, auch wenn sie durch zahlreiche Vorträge und Diskussionen ergänzt wird und Schulklassen durch die Ausstellung für das Thema HIV sensibilisiert werden, so kann man auch im Röhsska keine Antworten finden, sondern muss sich seine eigene Antwort suchen und daran danken, dass die Vorurteile, die noch immer HIV-Kranke betreffen, erst in der Zukunft wirklich abgebaut sein werden. Die Ausstellung in einem Museum ist jedoch ein Schritt das Thema einem weiteren Publikum zu erschließen und nicht mehr in der Schublade zu verstecken.

Herbert Kårlin

Samstag, 1. Dezember 2012

Orthodoxe jüdische Kinder dürfen in Göteborg zu Hause unterrichtet werden

Eine streng orthodoxe jüdische Familie in Göteborg kämpft seit Jahren darum, dass sie ihre vier Kinder zu Hause unterrichten darf statt sie in öffentliche Schulen zu schicken. Diese Ausnahmegenehmigung ist in Schweden möglich, unter der Voraussetzung, dass bedeutende Gründe dafür vorliegen und zu Hause ein voller Unterricht möglich ist. In ganz Schweden haben bisher rund 100 Schüler eine jeweils einjährige Sondergenehmigung, de regelmäßig neu geprüft werden muss.

Als die Familie in Göteborg erstmals vor Gericht ging, wurde ihr Antrag vom Verwaltungsgericht abgelehnt, da nach schwedischen Gesetzen eine Schule keinerlei religiösen Einschlag haben darf und so ausgerichtet sein muss, dass jedes Kind teilnehmen kann. Bei der Berufung wurde dem Antrag der Eltern Recht gegeben, da es in einer Schule schwierig ist koscheres Essen zu bieten, täglich etwa 30 Gebete ohne Störung zuzulassen und durch andere Kleidung die Schulzeit ohne Mobbing zu bestehen.

Nun muss das Höchste Verwaltungsgericht des Landes ein Grundsatzurteil finden, das für alle zukünftigen Fälle für Sondergenehmigung angewendet werden kann. Die Probleme dabei sind vielfältig, denn sie bestehen nicht nur bei der staatlichen Schule, die Frage ist auch, ob der Vater, ein Rabbi, seinen vier Kindern auch einen vollständigen Unterricht bieten kann, denn nach ihm müssen die Geschlechter getrennt unterrichtet werden und sie müssen das schwedische Schulniveau erreichen, unabhängig vom typisch jüdischen Unterricht. Und die Entscheidung des Gerichts muss auch für alle anderen religiösen Minderheiten gelten. Eine Befürwortung kann also dazu führen, dass Kinder von gläubigen Moslems in Zukunft ebenfalls zu Hause unterrichtet werden können.

Herbert Kårlin