Mittwoch, 31. Oktober 2012

Fehlplanungen bei der Citymaut

Auch wenn die Entscheidungen zur Citymaut in Göteborg bereits seit 2009 eine festgelegte Sache ist, so hat man bis heute nicht die nötige Infrastruktur geschaffen, die mit der Einführung der Maut verbunden ist, da die Fixpunkte in den Entscheidungen sich wenig um die betroffenen Bürger drehten, sondern darum, dass die Maut so schnell wie möglich eingeführt werden muss und ein gigantisches Projekt in Gang gesetzt wurde, dessen Kosten heute noch niemand abschätzen kann.

Eines der wichtigsten Probleme am 1. Januar 2013 wird sein, dass es für Pendler nicht genügend Parkplätze geben wird, so dass für viele die Frage nach einem Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht erst in die Diskussion kommt, sondern die Stadt Göteborg einen Teil ihrer Bürger einfach zum Bezahlen einer Zusatzsteuer zwingen wird, da das Ziel der Maut in Göteborg ohnehin nichts anderes ist als möglichst viel Geld für das Infrastrukturpaket einzunehmen.

Aber auch andere Probleme werden erst im Laufe des Jahres 2013 oder gar erst 2014 behoben sein, denn die Fahrradwege sind nicht entsprechend ausgebaut, dass alle Göteborger auch ohne bedeutende Gefährdung mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können und einige Eisenbahnstationen an denen längere Züge eingesetzt werden, haben nicht die entsprechend langen Bahnsteige, so dass man vom letzten Wagon aus eben auf den Schotter springen muss. Sicher ist für den Stadtrat jedoch eines: Die Maut wird pünktlich eingeführt, egal wie schlecht das ganze Projekt geplant und koordiniert ist.

Herbert Kårlin
 

Dienstag, 30. Oktober 2012

Keine autofreien Tage mehr in Göteborg

Die Mehrheit des Göteborger Stadtrats hat nun endgültig entschieden, dass die Stadt nicht mehr am autofreien Tag am 22. September jeden Jahres teilnimmt, da die Teilnahme, nach Aussagen der Vorsitzenden Annelie Hulthén, mit Kosten in Höhe von mindestens einer Million Kronen verbunden ist und kaum einen messbaren Nutzen zeigt. Nach Meinung des Stadtrats kann man diese Summe sinnvoller anwenden.

Natürlich will die Umweltstadt Göteborg dennoch zeigen, dass dieser Tag etwas Besonderes ist, indem man eben Werbung für die öffentlichen Verkehrsmittel und die Anwendung von Fahrrädern macht, eine Maßnahme, die seit 2006 überwiegend im Wind verpufft, aber dem Stadtrat ein ruhiges Gewissen verschafft und den Geldfluss mit dem Kreislauf der befreundeten Werbeindustrie schließt. Ob diese Idee billiger ist oder einen größeren Nutzen bringt, darüber schweigt die Stadt natürlich.

Aber selbst wenn ein Werbetag, den die Stadt lieber Kampagnetag nennt, etwas Geld sparen sollte, so stellt sich die Frage, in welche Kanäle diese Summe fließen, denn außer dem Eisenbahntunnel innerhalb des Infrastrukturpaketes, dessen Kosten unabsehbar sind, und den Gehältern von Direktoren, wird bei Kindergärten, Schulen und allen sozialen Maßnahmen gespart, denn um Gruppen in Kindergärten auf 15 Kinder zu beschränken, dazu fehlt natürlich das Geld auch in Zukunft.

Herbert Kårlin

Montag, 29. Oktober 2012

Äpfel pflücken im Zentrum Göteborgs

Die Stadt Göteborg wird noch diesen Herbst einen Obstgarten mit Apfelbäumen, Birnbäumen und Pflaumenbäumen in der Gamla Johannebergs Landeri, die etwas über dem Korsvägen liegt, anlegen, der für alle Bewohner der Stadt gedacht ist. Nach Aussagen der Stadtgärtnerin Helena Bjarnegård soll es sich bei diesem Gemüsegarten um eine Oase mitten in der Stadt handeln soll.

Der Garten soll allerdings nicht nur die verschiedensten Apfel- und Birnenarten bieten, damit die Blüte und die Ernte so lange wie möglich ausgedehnt ist, wobei die Früchte von allen Bewohnern der Stadt gepflückt werden dürfen, sondern die Anlage auch mit Bänken ausgestattet werden und durch eine Mauer vom nahen Straßenlärm geschützt werden.

Dieser Obstgarten in der Stadt mit 21 Bäumen in drei Reihen ist der erste von mehreren in Göteborg, wobei die Idee dabei natürlich ist dass jeder nur eine Frucht pflückt und sich nicht einen Wintervorrat anlegt oder die Äpfel säckeweise pflückt. Nachdem diese erste Plantage am Korsvägen erst in den kommenden Wochen angelegt wird, kann man im kommenden Jahr zwar bereits die Blüte erleben, nicht jedoch damit rechnen kann bereits zur Ernte schreiten zu können.

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 28. Oktober 2012

Mieten in Göteborg steigen weiter

Nachdem die Göteborger Verkehrsbetriebe die Preise dieses Jahr bereits bedeutend erhöhten und eine weitere Preissteigerung angesagt haben und die unterste Gruppe der arbeitenden Bevölkerung ab 1. Januar bis zu 1200 Kronen ihres Einkommens für die neue Citymaut aufbringen muss, kommt nun, kurz vor Jahresende, noch eine weitere Hiobsbotschaft von Seiten der Privatbesitzer von Mietwohnungen auf die Göteborger Mieter zu.

Die Vermieter sind der Meinung, dass die Mieten in Göteborg dem Markt nicht angepasst sind, was natürlich darauf beruht, dass sie selbst kaum neue Wohnungen bauen, und sie sind der Überzeugung, dass die Mieten auch im Jahre 2013 um fünf Prozent steigen müssen. Für diejenigen, die in Miete wohnen, bedeutet dies natürlich im nächsten Jahr weitere 300 bis 500 Kronen pro Monat an den Vermieter zu zahlen und sich noch etwas mehr einschränken zu dürfen.

Der Mieterverband widersetzt sich dieser erneuten Erhöhung der privaten Vermieter, da die Zinsen, und damit auch die Kosten der Vermieter, in diesem Jahr sanken und in keinem Gebäude Modernisierungsmaßnahmen unternommen wurden. Die Besitzer verweisen dabei jedoch auf marktübliche Preise und zukünftigen Kosten, die auf sie zukommen werden, was bedeutet, dass sie Reserven schaffen müssen.
 

Herbert Kårlin
 

Samstag, 27. Oktober 2012

Citymaut in Göteborg schafft Unmut

Je näher der Tag kommt an dem die Citymaut in Göteborg eingeführt wird, umso höher wird die Kritik von Seiten der Bevölkerung, denn nicht jeder muss diese Zusatzsteuer bezahlen, die bei einem normalen Angestellten oder Arbeiter rund 1000 Kronen pro Monat auffrisst, was auch bedeutet, dass für so manche Familie der Urlaub gestrichen werden muss und Kinder auf ihre Freizeitvergnügen verzichten müssen, da Geringverdiener 10.000 Kronen weniger pro Jahr sehr deutlich spüren und an anderen Stellen sparen müssen, da die Nettolohnerhöhungen von durchschnittlich 300 Kronen im Monat nicht einmal die Preissteigerungen ausgleichen können.

Die Bevölkerung der Stadt fühlt sich nun vor allem von jenen betrogen, die ihnen diese finanzielle Last zwangsweise aufdrückten, aber selbst in keiner Weise daran denken auch einen eigenen Beitrag zu leisten, denn 102 städtisch Angestellte in führender Position und mit einem Verdienst von teilweise weit über 100.000 Kronen pro Monat, haben nicht nur einen Dienstwagen, sondern bezahlen auch keine Maut, da dies die Kasse der Stadt übernimmt.

Der Normalverdiener ist daher nicht nur gezwungen seine eigene Citymaut zu bezahlen, sondern darf über Steuern auch noch für jene bezahlen, die ihnen ohne jeden Volksentscheid die Zusatzausgabe abnehmen, für ein Projekt, das die Bevölkerung Göteborgs gar nicht will. Eines der typischen Beispiele ist dabei der Geschäftsführer der städtischen Betriebes Västtrafik, Lars Backström, der ein eiserner Verfechter der Citymaut ist. Nicht nur, dass er selbst keine für seinen Dienstwagen bezahlt, er findet es auch selbstverständlich, dass die Fahrpreise der Verkehrsbetriebe bei Einführung der Maut ansteigen. Die Frage ist nur noch, wie viel sich die Göteborger noch bieten lassen oder bieten lassen müssen.

Herbert Kårlin

Freitag, 26. Oktober 2012

Neue Stadtteile Göteborgs sprengen das Budget

Im letzten Bericht zur Lage der Ökonomie Göteborgs findet man 157 Millionen Kronen als rote Zahlen, eine Summe mit der niemand in der Führung der Stadt gerechnet hat, da man seit Jahren nur vom Sparen redet und die Ausgaben in allen Stadtteilen erheblich gekürzt hat, zumindest was die Dienste am Bürger betrifft. Da der Bericht nur Zahlen und keine Ursache liefert, will man sich in Göteborg nun auf die Suche nach dem Problem machen.

Ein Teil der negativen Summe entstand sicher wegen der steigenden Anzahl an bedürftigen Personen, die um Sozialhilfe anfragen und ein anderer Teil beruht auf der Wohnungsnot, was die Unterbringung in Behindertenheimen, die Versorgung der älteren Schicht oder Räume für die Verwaltung verteuert, und wieder ein Teil entsteht durch die steigenden Kosten für gewisse soziale Leistungen an Angestellte. Aber selbst wenn man all dies berücksichtigt, so bleibt immer noch eine rote Zahl übrig, trotz der bisherigen Sparmaßnahmen.

Der Rest des Minus kann vielleicht darin zu suchen sein, dass aus 20 Stadtteilen zehn gemacht wurden, denn eine solche Umstrukturieren kann bedeutende Summen schlucken, vor allem wenn man dabei neue Chefposten schaffen muss und die Lohnzahlungen von gehobenem Personal dreimal bis sieben Mal so hoch sind wie der Gehalt eines normalen städtischen Angestellten. Da man jedoch diese Summen auch in einer sozialdemokratisch geführten Stadt nicht angreifen darf, müssen sich die Bürger darauf einstellen im nächsten Jahr mit neuen Sparmaßnahmen konfrontiert zu werden.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Fragmente, ein Portrait Göteborgs

Karin de Frumerie in Fragmente von Lars Norén

Am 26. Oktober hat das Stück Fragmente von Lars Norén seine Uraufführung im Folkteatern Göteborg, eine Produktion, die von Europa unterstützt wurde und im kommenden Jahr auf eine Europatournee gehen wird. Fragmente wird, unter anderem, in Paris, Brüssel und Madrid zu sehen sein und den Besuchern einen künstlerischen Blick nach Göteborg bieten. In den kommenden Jahren werden dann auch die Städte, die von der schwedischen Truppe besucht werden, ihre Stadt im Folkteatern in Göteborg präsentieren.

Fragmente ist eine Zeitraffer-Aufnahme von Göteborg in der man Ausschnitte aus 30 verschiedenen Leben geboten bekommt, die zu einem Gesamtbild führen, auch wenn man letztendlich keiner der Personen ständig folgt, sondern nur Fragmente ihres Lebens geboten bekommt, die in 50 verschiedene Szenen verpackt wurden, in Teile, die man auch in Bussen, Zügen, Flugzeugen oder beim Spaziergang durch Göteborg erleben kann wenn man seiner Umgebung etwas neutrale Aufmerksamkeit schenkt.

Lars Norén hat mit Fragmente erstmals ein Stück konkret für das Göteborger Folkteatern geschrieben, das erste, dem vielleicht andere folgen werden. Die Regie des Stückes übernahm Sofia Jupither, die damit, nach Lars Noréns Skalv und Jon Fosses Vinter das dritte Mal ein Stück des Folkteatern in Szene setzt und mit dem neuen Stück erneut beweist, dass sie Theater lebendig machen kann und es schafft, dass sich jeder Besucher berührt fühlt, auch dann noch, wenn er nach der Vorstellung in die Dunkelheit der Stadt entschwindet.

Herbert Kårlin