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Freitag, 19. September 2014

Schreckromantische Landschaften im Göteborger Kunstmuseum

In seiner Ausstellung „Schreckromantische Landschaften“ zwischen dem 20. September 2014 und dem 25. Januar 2015 schlägt das Kunstmuseum in Göteborg eine Brücke von der Romantik zur teilweise surrealistischen Kunst, die man heute auf einigen Plattencovers, in Videospielen und Serienalben findet. Die Besucher des Museums können auf diese Weise Parallelen finden an die sie vermutlich nie dachten, da sie Kunst nur in chronologischer Ordnung vor sich sahen.

Döende urskog von August Cappelen (1827 - 1852), Nationalmuseum Oslo

Wer sich für Literatur interessiert, wird keine Sekunde daran zweifeln, dass Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame oder Mary Shelley‘s Frankenstein die Natur und Architektur mit Symbolen der Angst verbinden um Schreck zu verbreiten und gerade dadurch einen immensen Erfolg hatten, aber nur wenige Kunstliebhaber denken daran, dass Lars Hertervig, Marcus Larson und viele andere Künstler des 19. Jahrhunderts die gleiche Symbolik in der Kunst verwendeten und damit moderne Künstler der Gothic wie Kristian Wåhlin beeinflussten.

Wer die „Schreck-Werke“ aus zwei Jahrhunderten im Kunstmuseum Göteborg etwas genauer betrachtet, stellt sehr schnell fest, dass es bereits Künstlern der Romantik nicht immer wichtig war die Natur als Ideal zu sehen, sondern diese als drohende Gefahr darstellten in der schwarze Vögel ein Unglück ankündigen und ein Gewitter den Tod und der Untergang mit sich bringt. Dem Göteborger Museum ist es, dank einiger Leihgaben, gelungen diese Stimmung mit der Kunst der Gegenwart zu verbinden und Kunst zu einem zeitlosen Geschehen zu machen bei dem es unwichtig wird ob ein Bild in Öl gemalt wird oder am Computer entsteht, ob eine existierende Landschaft als Quelle gilt oder der Künstler die Idee in seinen Gedanken sucht.

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 5. August 2014

Ein zusätzlicher Campus für die Universität Göteborg

Obwohl die Stadt Göteborg den Plan die Umgebung um den Näckrosdammen in einen Campus zu verwandeln in mehreren Punkten bereits den Wünschen der Universität angepasst hat und die Ausweitung der Universität mit Neubauten entschieden ist, sollen nun noch die Anwohner, aber auch die anderen Bewohner Göteborgs, ihre Meinung zum Projekt äußern können, selbst wenn das Treffen im Herbst mehr eine Formsache ist als ein Aufruf zur Mitbestimmung.

Da selbst der Neubau einer Bibliothek am Näckrosdammen, der zur 300-Jahrfeier Göteborgs entstand und selbst eine Freilichtbühne erhielt, eine entschiedene Sache ist und nur noch ihre Größe einen gewissen Freiraum lässt, ist offen welchen konkreten Zweck die Einladung hat. Zur Diskussion steht nur noch das alte Hovrätten (Landesgericht), da dieses Gebäude als historisch wertvoll eingestuft ist , aber nach Meinung der Universität abgerissen werden soll, damit an dieser Stelle eine imposante Bibliothek entstehen kann die bereits auf die Zukunft ausgerichtet sein soll.

Die Frage bei der etwas vagen Einladung ist daher welche Rolle die Meinung der Bürger hinsichtlich der Zukunft dieses Gebäudes spielen soll und wovon die Bürger überzeugt werden sollen, denn so nebenbei hat die Stadtverwaltung einen Köder vorgelegt und verspricht die Erhaltung eines Großteils der Grünanlage an der man sich nach wie vor erholen kann. Zusätzlich sollen dort Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen geplant sein, auch wenn diese Punkte bisher nur sehr vage sind. Der Baubeginn ist jedenfalls bereits auf das kommende Jahr festgelegt. Das Projekt soll zur 400-Jahrfeier Göteborgs abgeschlossen sein.

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Mittwoch, 4. Juni 2014

Nordische Schmuck-Kunst in Göteborg

Während der Sommermonate kann man im Röhsska Designmuseum in Göteborg eine der interessantesten Ausstellungen zur nordischer Schmuck-Kunst der Gegenwart finden, denn die Ausstellung From the Coolest Corner zeigt die interessantesten Werke von 60 nordischen Schmuckkünstler, die die gesamte Breite künstlerischen Schmucks präsentieren, angefangen von Kunst-Schmuck als Foto bis zu Schmuckstücken aus Edelmetallen, Holz oder Leder.

Sanna Svedestedt bei From the Coolest Corner in Göteborg

Die Ausstellung From the Coolest Corner wurde ursprünglich vom Nationalmuseum in Oslo zusammengestellt und kann auf schwedischem Raum ausschließlich in Göteborg  und nur vom 3. Juni bis zum 21. September 2014 betrachtet werden, wobei man unter den Schmuckkünstlern hier erstmals auch sehr viele junge Schmuckschöpfer findet, die sich teilweise weit von den traditionellen Materialien der Schmuck-Kunst entfernten und den Aufbruch in eine neue Schmuckgeneration zeigen.

Wenn man heute von modernem Kunst-Schmuck redet, so denken viele an Gegenstände, die man im ersten Moment vor allem als Kunstwerk betrachtet, das man nicht tragen kann. Wer jedoch die Ausstellung betrachtet und Schmuck als das sieht, was das Wort aussagt, so findet man für jedes Schmuckstück, das man im Röhsska Museum sehen kann, eine Angelegenheit zu der die Kunstwerke als Schmuck passen und die Persönlichkeit der Trägerin oder des Trägers hervorheben. Einige der Künstler, deren Werke man in Göteborg findet, beweisen dies durch das Tragen eigener Schöpfungen, ein Zeichen dafür, dass sie ihr verwendetes Material auch spüren können.

Weitere Information stehen der Presse unter Pressedienste und Presseinformationen zur Verfügung.

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 13. Dezember 2013

Graffiti zieht in Göteborg ein

Göteborg hatte bisher eine stark abwehrende Haltung zu Graffiti jeder Art im öffentlichen Raum und erlaubte es den Künstlern ausschließlich abseits jeder touristischen Attraktion, nämlich bei Röda Sten, Graffiti im öffentlichen Raum „auszustellen“, was bei der großen Anzahl der Graffiti-Künstler in Göteborg dazu führte, dass ein Kunstwerk sehr schnell wieder überspritzt war und andere Künstler den Bestimmungen der Stadt einfach trotzten.


Nachdem nun auch Göteborg entdeckt hat, dass Städte wie Berlin, London und New York durch ihre Graffiti tausende von Touristen anziehen, die dann wiederum ihre Fotos in den sozialen Medien verbreiten, beginnen auch einige Politiker der Stadt umzudenken und wollen in Zukunft dieser Kunstart offener gegenüberstehen, wenn auch mit einer Lösung, die wenig mit den Lösungen anderer Städte zu tun hat und in der westschwedischen Stadt als Versuch gewertet wird.

Ab der kommenden touristischen Saison könnte es daher möglich sein, dass gewisse von der Stadt ausgesuchten Wände durch Graffiti in Kunstwerke verwandelt werden dürfen. Allerdings will die Stadt auch die Namen der Künstler und daher mit einem Genehmigungsverfahren arbeiten. Auch wenn sich vielleicht der eine oder andere zweitrangige Künstler an die Wände machen wird, so zeigt diese Entscheidung, dass die Politiker der Stadt nie in die Seele eines Graffiti-Künstlers sahen, denn noch bestehen zwischen den beiden Gruppen Welten, die nicht mit einigen wenigen offiziellen Wänden abzubauen sind.

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Ausstellung zum Sten A. Olssons Kulturstipendium

Seit 17 Jahren vergibt die Stiftung Sten A. Olsson jährlich Ausbildungsstipendien in Höhe von jeweils 150.000 Kronen an Personen, die sich in Forschung oder Kultur besonders hervorheben. Künstler, die dieses Stipendium erhalten, werden gleichzeitig mit einer Ausstellung im Göteborger Kunstmuseum belohnt, die dieses Jahr am 5. Dezember 2013 um 17 Uhr mit der Vernissage eröffnet wird.

Hans Berg, Nathalie Djurberg, Patrick Nilsson, Madeleine Olsson Eriksson

Im Kunstmuseum findet man dieses Jahr die Werke des Künstlers Patrick Nilsson und die musikalische Videoinstallation des Künstlerpaares Nathalie Djurberg und Hans Berg. Sämtliche Künstler, die das Stipendium erhalten, haben in irgendeiner Weise eine engere Verbindung zu Göteborg oder dem Västra Götaland, selbst wenn die meisten unter ihnen mittlerweile weit entfernt von Göteborg leben.

Die Werke, die man vom 5. Dezember 2013 bis zum 12. Januar 2014 im Kunstmuseum findet, wurden bisher noch nie in dieser Art präsentiert, wobei Patrick Nilsson einige der vorgestellten Werke für dieses Ereignis in Göteborg schuf und das Paar Djurberg-Berg präsentiert die vierkanalige Videoinstallation The Black Pot, die bisher lediglich in Moskau und in Helsinki vorstellt wurde erstmals einem schwedischen Publikum.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 9. November 2013

Göteborg will Straßenkunst zulassen

Nachdem alle Maßnahmen gegen Schmierereien und unerlaubte Graffiti in Göteborg keinerlei Wirkung zeigten und lediglich die Kosten für das Reinigen der öffentlichen und privaten Flächen erhöhte, will die Stadt nun einen Schritt vorwärts gehen und als erste schwedische Gemeinde Straßenkunst, unter gewissen Voraussetzungen, im gesamten Raum Göteborgs zulassen.


Auch wenn die Idee als solches positiv klingt, so wird Straßenkunst jeder Art jedoch nicht völlig frei im Raum Göteborg sein, sondern die Künstler benötigen eine Genehmigung bevor sie ihr Werk realisieren, denn nach wie vor wird nicht jede Stelle der Stadt Künstlern zur Verfügung stehen und jede Art von Schaden wird nach wie vor verboten sein. Die Stadt behält sich auch vor Kunst von Schund zu trennen, also eine Art Zensur einzuführen.

Ob dieser Vorschlag zur Öffnung der Straßenkunst, die von Graffiti über Skulpturen im öffentlichen Raum bis zu Mobile in Bäumen geht, tatsächlich sinnvoll ist oder sogar zu mehr Schaden führen wird, ist noch offen, denn Tatsache ist, dass sehr viele Straßenkünstler anonym bleiben wollen und deswegen wohl kaum einen offiziellen Antrag stellen wollen, da dies gegen die Regeln ganzer Gruppen von Künstlern verstößt, auch wenn bei vielen die Qualität der Kunst wohl kaum in Frage gestellt werden kann. Und jene, die nur Wände vollschmieren werden von den neuen Regeln ohnehin nicht berührt.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 7. September 2013

Siebte Internationale Kunstbiennale in Göteborg

Vom 7. September bis zum 17. November 2013 findet in Göteborg die siebte Internationale Kunstbiennale statt, die dieses Jahr unter dem Motto Play! Recapturing the Radical Imagination steht und dem Publikum mit Sicherheit mehrere Fragen stellt, denn die Ausstellungen und Performances liegen an der Grenze von Kunst, in der das Spiel und die Weltpolitik bisweilen in den Vordergrund dringen, in der das Experiment im Endeffekt sogar wichtiger wird als das, was man herkömmlicher Weise als Kunst bezeichnet.

Joanna Warsza präsentiert Art & Crime am Drömmarnas Kaj

Was dieses Jahr bei der Internationalen Kunstbiennale in Göteborg in erster Linie verblüfft, ist die Tatsache, dass unter den vier Kuratoren, die für die Biennale zeichnen, drei Frauen zu finden sind, die damit, durch die Wahl der Künstler, dem Thema gewissermaßen die männliche Dominanz genommen haben, obwohl ohne den Einsatz von Joanna Warsza, fast ausschließlich Männer als Künstler ausgewählt worden wären und daher der Biennale keine Gleichstellung von Mann und Frau geboten wird, was bei einem so kritischen Thema wie dieses Jahr die Kritik herausfordert und vor allem das Thema The Politics of Play etwas einseitig darstellt.

Play! Recapturing the Radical Imagination, will dieses Jahr nicht mit Ausstellungen überzeugen, sondern wählt die Performance, was zwar dem Thema weitaus gerechter wird, aber natürlich all jene, die in Kunst eine klassische Strömung suchen, von sich stößt, ein Problem, das man immer häufiger unter modernen Künstlern findet, die sich gegen die strengen Normen der klassischen Kunst auflehnen, aber dabei auch die Meinung verbreiten, dass Kunst zur persönlichen Darstellung wird und damit an Breitenwirkung verliert und von der Darstellung zur Ideologie wird.

Copyright: Herbert Kårlin

Freitag, 6. September 2013

Ein versteckter Schatz im Göteborger Kunstmuseum

Wenn am kommenden Samstag das Göteborger Kunstmuseum seine neue Ausstellung „Ein versteckter Schatz“ eröffnet, so haben die Besucher über zwei Monate lang die Möglichkeit Gemälde nordischer Künstler zu sehen, die bisher, versteckt von den Augen der Allgemeinheit, in der Wernerska Villan verborgen waren, obwohl die Sammlung von insgesamt 128 Gemälden seit 1958 der Stadt Göteborg gehört und erst nun in die Verwaltung des Kunstmuseums überging.

Nils Kreuger, Hästekipage (Detail), 1886

Der Industrielle Gustaf Werner, einer der bedeutendsten Sammler nordischer Kunst, Schwedens, gehörte bereits zu Lebenszeit zu den großen Gönnern des Göteborger Kunstmuseums und spende ihm einige der bedeutendsten Werke, die heute die Besucher anziehen. Dass nun 128 seiner Gemälde hinzukommen, bedeutetet für das Museum einen unschätzbaren Schatz zu verwalten und ihn einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Natürlich haben in der Ausstellung nicht alle 128 neuen Gemälde Platz, aber bereits die rund 50 ausgestellten Werke lassen die Herzen aller Kunstliebhaber höher schlagen, denn unter ihnen finden sich Malereien von Bruno Liljefors, Carl Larsson, Anders Zorn und anderer bekannter nordischen Künstler des 19. Jahrhunderts. Da viele der Gemälde auf Grund der schlechten Lagerung in schlechtem Zustand waren, präsentiert das Kunstmuseum nun alle Werke in restaurierter Form und will den Kunstschatz der nordischen Kunst auch der Nachwelt noch erhalten.

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 26. Mai 2013

Kunst und Kultur in Göteborg

Wenn am heutigen Sonntag erneut der Tag der Kunst- und Kulturschulen in Göteborg gefeiert wird, werden auf den drei Bühnen des Vergnügungsparks Liseberg und im Weltkulturmuseum insgesamt 3500 Schüler und etwa 150 Musiklehrer auftreten um ihr Publikum zu unterhalten. Die Mehrheit der bisher unbekannten Künstler werden in der Altersgruppe zwischen sechs und 19 Jahren zu finden sein.

Während sich früher nur die Musikschulen Göteborgs an diesem Tag beteiligten, sind es dieses Jahre nahezu alle Schulen, die im Kulturbereich arbeiten, was das Spektrum bedeutend erweiterte, denn dieses Jahr wird neben Musik auch Tanz, Theater und jede Art von Bildkunst vorgeführt, was für fast alle Beteiligten eine erste Chance ist sich der Öffentlichkeit zu stellen.

In Göteborg findet man gegenwärtig in den verschiedensten Stadtteilen neun Kulturschulen unterschiedlicher Größe und mit einem unterschiedlich gefächerten Programm, die alle aufgefordert waren sich am Kunst- und Kulturtag zu beteiligen. Vor allem in Liseberg führt dieses Ereignis auf drei Bühnen gleichzeitig zu einem Marathon der Kultur, denn nach der Eröffnung dieses Ereignisses um elf Uhr auf der Großen Bühne des Vergnügungsparks, werden sich die zukünftigen Künstler anschließend bis 19 Uhr 45 permanent ablösen.

Herbert Kårlin

Göteborger Flugschau 2013

Freitag, 10. Mai 2013

Kunst oder Pornografie bei der Examensausstellung

Die Kunststudentin Snövit Hedstierna der Göteborger Kunsthochschule Valand präsentierte für ihr Examen 50 Fotos von denen sie zwei für die Abschlussausstellung in der Göteborger Kunsthalle auswählen sollte. Als sie jedoch die ihrer Meinung nach besten und aussagekräftigsten Bilder dem Publikum bieten wollte,  wurde sie gebeten die Bilder entweder zu retuschieren oder aber die zwei am wenigsten aussagekräftigen Bilder aufzuhängen. Erst in letzter Minute durfte sie auch ein drittes Foto hinzufügen, das zumindest ihr Thema anreißt.

Snövit Hedstierna empfindet dies als eine Zensur der Kunst und fühlt sich ungerecht behandelt, da Kunst immer häufiger auch Provokation ist und einen sehr persönlichen Prozess darstellt. Dass die Zensur für die Kunststudentin nicht nachzuvollziehen ist, hat eine gewisse Berechtigung, denn die Abschlussarbeit wird mit den Lehrern abgesprochen und es gehen zahlreiche Diskussionen mit den anderen Studenten voraus. Der Schaffungsprozess und die Motive sind daher seit Monaten bekannt, aber die Zensur setzte erst wenige Tage vor der Vernissage ein.

Die Diskussion um die Kunst von Snövit Hedstierna hat andererseits natürlich auch eine gewisse Berechtigung, denn ihre 50 sehr ästhetischen Fotos mit dem Thema Practices of Looking zeigen überwiegend Frauen, die mit Hilfe eines Spiegels ihre Geschlechtsorgane betrachten. Die Künstlerin sieht in den Fotos die Aussage, dass der Frau der Blick auf einen Teil ihres Körpers genommen wurde und daher neu entdeckt werden muss. Der Lehrer, der ihre Kunst bewertet, hatte die Künstlerin frühzeitig gewarnt, da, seiner Meinung nach, diese Fotografien die Grenzen der Kunst überschreiten.

Herbert Kårlin

Messetermine in Göteborg

Freitag, 23. November 2012

August Strindberg im Kunstmuseum Göteborg

Rosendals trädgård II, 1903
 
Auch wenn heute noch viele August Strindberg nur als den schwedischen Schriftsteller bezeichnen, der ein etwas merkwürdiges Verhältnis zu Frauen hat, so kann man nun zwischen den 24. November 2012 und dem 24. Februar 2013 im Göteborger Kunstmuseum einen anderen Strindberg entdecken, nämlich den Maler, den Psychologen und vor allem auch den Fotografen, der die Kunst immer etwas anders betrachtete als die Mehrheit seiner Zeitgenossen.

Die Ausstellung August Strindberg in Göteborg steht natürlich in Zusammenhang mit dem 100. Todestag des Künstlers, Naturwissenschaftlers, Dramatikers und Schriftstellers, der wie kaum eine andere Persönlichkeit seiner Epoche die damaligen Zeitströmungen auf den verschiedensten Ebenen ausdrückt und in der Lage war bei jedem seiner Werke ein persönliches Zeichen zu setzen, meist abseits der herrschenden Lehre und Kunstauffassung.

Drei Monate lang können die Besucher des Göteborger Kunstmuseum einige der Gemälde Strindbergs betrachten und vor allem die Fotografien des Künstlers entdecken, der in diesem Bereich experimentierte, porträtierte, aber auch die Seele einfangen wollte. Überall wo August Strindberg fotografierte, hatte er ein neues Thema und manchmal auch eine neue Technik. Fotografie war für Strindberg keine zufällige Momentaufnahme, sondern eine Szene, die durch die Abbildung zu einem Ereignis und einem künstlerischen Dokument wird.

Herbert Kårlin

Freitag, 2. November 2012

Schmuckingenieur Sigurd Bronger in Göteborg

Sigurd Bronger erklärt einige seiner Schöpfungen
 
In der Regel sieht man Schmuck als Ziergegenstand, dessen einzige Funktion es ist die Schönheit einer Steines, der Verarbeitung des Goldes oder eines anderen Materials hervorzuheben und dabei den Blick von der der Person, die ihn trägt, auf das Schmuckstück zu ziehen. Eine tatsächliche praktische Funktion haben diese Schmuckstücke jedoch nicht. Diesen Rahmen sprengt der norwegische Schmuckingenieur Sigurd Bronger mit seinen Schmuckunikaten.

Sigurd Bronger, der seine Schmuckstücke „Instrumente zum Tragen“ nennt und jedes Werk mit einer extremen Präzision gestaltet, verbindet Ästhetik und Funktionalität, wobei jedes Werk eine Geschichte hat und eine neue Technik fordert. Für diese einmalige Leistung erhielt der Künstler gestern den begehrten Torsten och Wanja Söderbergs Pris, der mit einer Million Kronen dotiert ist und Sigurd Bronger die Schaffung weiterer Werke erlaubt, deren Herstellung nicht nur zeitaufwendig ist, sondern auch sehr hohe Kosten verursacht.

Eine sehr große Auswahl der Schmuckstücke, die Sigurd Bronger zwischen 1992 und heute herstellte, kann man zwischen dem 6. November und dem 3. März im Röhsska Designmuseum in Göteborg entdecken, wobei es bei dieser Ausstellung sinnvoll ist nicht nur die Ausstellungsstücke zu betrachten, sondern auch die zugehörigen Texte zu lesen um die Idee, die hinter dem Schmuckstück steht, zu verstehen. Die Ausstellung öffnet am 6. November um 16 Uhr 30.

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 13. Oktober 2012

Zensur bei Kunstausstellung im Västra Götaland

Um für die Kunstausstellung „Only Child“ in der Kunsthalle in Alingsås, die heute eröffnet wird, Werbung zu machen, haben die Kunsthalle und die Fotografin Nathalia Edenmonts ein Foto für das Plakat gewählt, das ein Mädchen darstellt, das eine Pistole im Mund hat. Als ein Lokalpolitiker der Stadt dieses Plakat in der Bibliothek des Ortes sah, entfernte er es uns verbot auch für die Zukunft diese Art von Bildern dort aufzuhängen.

Als Nathalia Edenmont, die in der früheren Sowjetunion aufwuchs, dies hörte, war ihre erste Reaktion die Frage, warum in Schweden eine Zensur existiert, die jener entspricht, die sie früher nur in ihrer alten Heimat kannte. Ihrer Meinung nach war Schweden das Land, das weder Kunst noch das gesprochene Wort zensiert, da Schweden ein freies Land sei. Natürlich wird die Aktion des Lokalpolitikers die Ausstellung nicht verhindern in der etwa zwölf Bilder ausgestellt werden in denen Kinder im Zentrum stehen, aber die Frage nach Zensur wird die Ausstellung weiterhin begleiten.

Und es handelt sich nicht um die erste Zensur nach alt-sowjetischem Muster in Göteborg, denn in den Fähren zu den südlichen Schären vor Göteborg wurden kürzlich alle Kinderbücher aussortiert, darunter der Band „Tintin im Kongo“, weil immer mehr Personen der Region die Zensur als Fortschritt bezeichnen und nicht verstehen, dass damit weder Rassismus noch Vorurteile verhindert werden, sondern die Demokratie zur Diktatur wird und sie durch die Zensur ihre eigenen Schwächen aufdecken.

Herbert Kårlin

Montag, 8. Oktober 2012

Die Kulturnacht 2012 in Göteborg

Am 12. Oktober findet in Göteborg zum 22. Mal die Kulturnacht statt, die dieses Jahr um 19 Uhr am Lagerhuset eröffnet wird. Dieses Jahr laden 130 verschiedene lokale Veranstalter zu über 200 Programmpunkten ein. Auch wenn in dieser Nacht Kultur umsonst sein soll, so sollten sich die Besucher der unterschiedlichsten Veranstaltungen rechtzeitig erkundigen, ob die gewünschte Veranstaltung auch tatsächlich kostenlos ist, denn einige der Veranstalter fordern für die Teilnahme auch die sogenannte Kulturnattakort, die für 150 Kronen vor Ort erworben werden kann.

Kulturnacht oder Kulturnatta bedeutet eine Nacht lang jede denkbare Art an Kunst und Kultur geboten zu bekommen, die nicht unter einer gewissen künstlerischen Leitung arrangiert wird, sondern von unabhängigen Gruppen und Organisationen an den verschiedenen Plätzen der Stadt angeboten werden. Entsprechend unterschiedlich ist das Programm, das von Straßenmusik vor dem Lagerhaus über Breakdance im Stadtmuseum oder einer Performance unter der Älvsborgsbron reicht.

Auch wer die letzten Kulturnächte in Göteborg auf den Straßen war, wird von den Veranstaltungen nicht enttäuscht, denn, wie jedes Jahr, haben sich auch neue Bewegungen der Kulturnacht angeschlossen. So ist dieses Mal auch das Designkollektiv „Friends of Form“ erstmals unter der Liste der Teilnehmer zu finden, ebenso wie einige Straßenmusiker, die bisher unentdeckt geblieben waren. Besonders umfangreich ist dieses Jahr auch das Angebot an Livemusik und an Filmvorführungen.

Herbert Kårlin

Montag, 1. Oktober 2012

Offene Bühne im Göteborger Folkteatern

Am heutigen Abend beginnt im Göteborger Volkstheater (Folkteatern) ein Experiment, das sich vorerst über vier Montage im Oktober und November erstreckt, aber bei Erfolg auch auf unbegrenzte Zeit ausgedehnt werden kann. Dieses Experiment läuft unter dem Titel „Öppen Scen“, also „Offene Bühne“ und spricht eine Schicht von Künstlern an, die man sonst nicht im Folkteatern findet.

Öppen Scen spricht als auftretende Künstler Schauspieler, Musiker, Poeten und jede andere Art von Künstlern an, die sich im Theater vielleicht erstmals einem Publikum stellen werden. Die Voraussetzung ist nicht, dass sie eine Bühnenschule besucht haben, eine klassische Musikausbildung besitzen oder bereits mit einer Performance bekannt wurden, sondern dass sie von ihrem Können überzeugt sind, oder aber die Reaktion eines Publikums kennen lernen wollen.

Da der Eintritt zu diesen Veranstaltungen kostenlos ist, so wird auch das Publikum sehr breit gefächert sein und nicht nur aus Personen bestehen, die einer Vorstellung passiv folgen, sondern es ist möglich, dass eine positive - oder negative - Kritik unmittelbar in den Raum geworfen wird, so dass diejenigen, die die Feuertaufe bestehen, eine echte Chance haben in der Welt der Kunst anerkannt zu werden, wobei die 15 Minuten, die jeder Künstler jeden Alters hat um das Publikum zu überzeugen, sehr lang sein können.

Herbert Kårlin

Dienstag, 14. August 2012

Auftakt zum Göteborger Kulturfest

Melissa Horn tritt am Götaplatsen auf

Von heute bis zum kommenden Sonntag findet in Göteborg des jährliche Kulturfest, Göteborgs Kulturkalas, statt, das dieses Jahr mit 1500 Programmpunkten und einem massiven Angebot an Künstlern ein Stadtfest wird, das für jedes Alter etwas zu bieten hat und die gesamte Innenstadt zu einem gigantischen Festplatz verwandelt. Kunst und Kultur werden nur durch die Restaurants unterbrochen, die den Hungrigen und Durstigen Gerichte aus (fast) der ganzen Welt bieten.

Da es niemandem möglich ist innerhalb von fünf Tagen wirklich alles zu sehen was das Göteborger Kulturfest bietet, ist es sinnvoll sich ein Programm zu beschaffen und dann seine Tage durchzuplanen. Da die meisten Veranstaltungen erst nach 12 Uhr starten, kann man die fünf Tage in aller Ruhe ausschlafen um dann bis in den späten Abend hinein munter zu bleiben, da sich am Abend musikalische Veranstaltungen, Theater, Tanz und andere Ereignisse lückenlos anschließen.

Bei  einem Kulturfest, das zwischen Ballett, Videokunst, Film, Sport, Zirkus, Karneval und Kunst einfach alles anbieten, sollte man vielleicht auch einmal einen Blick auf jene Ereignisse werfen, für die man sich bisher nicht interessiert hat, denn da alle Veranstaltungen währende des Göteborgs Kulturkalas umsonst sind, kann man nichts verlieren, sondern nur seinen Horizont erweitern. Und selbst wem bisher die 40 Kronen für einen Museumsbesuch zu viel waren, kann während der fünf Tage einen kostenlosen Blick in diese kulturellen Tempel werfen.

Herbert Kårlin

Dienstag, 29. Mai 2012

Einheitliche Kunstausbildung in Göteborg

Bereits zum Herbstsemester werden sich die Göteborger Kunststudenten jeder Art unter einer gemeinsamen Leitung finden, denn aus der Filmhochschule, der Hochschule für Fotografie, der Kunsthochschule Valand und der Abteilung Literäre Gestaltung wird eine einzige Hochschule werden, die sich „Akademin Valand“ nennt, eine Änderung, die es ermöglichen soll, dass alle Kunstsparten übergreifend behandelt und studiert werden können.

Präfekt der Gesamteinrichtung wird der Dubliner Mick Wilson, 47, der sein Doktorexamen am National College of Arts & Design in Irland ablegte, später Dekan an der Forscherschule Graduate School Creative Arts and Media wurde und zuletzt als Präfekt der Freien Kunst am Dublin Institute of Technology arbeitete. Mick Wilson hat die Aufgabe das Renommee der bereits international geschätzten Ausbildungen in Göteborg noch weiter voranzutreiben.

Während Göteborg und die vier universitären Einrichtungen diese Neuordnung begrüßen, da die Studenten nun an mehreren Richtungen parallel arbeiten können und die Forschung sich ebenfalls nicht mehr auf eine Kunstrichtung beschränken muss, sehen viele Studenten der Änderung mit gemischten Gefühlen entgegen, da dies in ihren Augen bedeutet, dass die Ausbildung nun bürokratisch geordnet wird und nur noch wenige Personen über Inhalte der Ausbildung entscheiden können, aber auch das Mitspracherecht der Studenten schrumpft.
Herbert Kårlin

Mittwoch, 16. Mai 2012

Göteborger Kunstpreis geht an Sigurd Bronger


Nachdem 2012 die schwedische Designgruppe FRONT den begehrten Torsten und Wanja Söderbergs Preis erhielt und voriges Jahr der dänische Modedesigner Henrik Vibskov, geht der diesjährige Preis an den norwegischen Schmuckingenieur Sigurd Bronger, der sich mit seinen aufsehenerregenden Broschen, Ringen und anderen auffälligen Schmuckstücken weltweit einen Namen gemacht hat.

Der Norweger erhielt den Preis insbesondere, weil er mit seinen künstlerischen Objekten in eine Sagenwelt einer mechanischen Landschaft einlädt in der teilweise Alltagsgegenstände oder banale Objekte durch eine neue Komposition zu Kunst werden. Wer seine Werke genau betrachtet, stellt sich die Frage, ob man eine Reise in die Vergangenheit der Industrialisierung macht  oder in eine Utopie der Zukunft.

Der Osloer Sigurs Bronger, der jedes Jahr nur drei bis vier neue Werke schafft, kennt keine Grenzen wenn er nach Material sucht, denn ein Diamant kann sich in seinen Händen ebenso in ein Kunstwerk verwandeln wie ein ausgeblasenes Ei oder ein Luftballon. Wichtig ist für ihn jedoch die Liebe zum Material und der Schalk im Auge. Wenn man sich nur fünf Minuten mit Sigurd Bronger unterhält, so stellt man fest, dass das Kind in ihm noch nicht gestorben ist.
Herbert Kårlin
 

Donnerstag, 22. März 2012

Weltgrößtes Gemälde in Göteborg

Das größte Gemälde weltweit, das von einer einzigen Person gemalt wurde, befindet sich in Göteborg. Für die Realisation des Werkes benötigte der Künstler Pontus Andersson rund zehn Jahre, zumal er das einzigartige Gemälde so realitätsgetreu wie möglich malen wollte und dafür Göteborg aus allen Warten erkunden musste, von den unendlichen Stunden in denen er dann einen Pinsel in der Hand hatte, ganz abgesehen.

So einzigartig wie dieser Kunstwerk ist, so einzigartig ist auch der Platz den der Künstler für sein Werk wählte, denn man findet es in keinem Museum der Stadt, sondern in den Gängen unter der Kläranlage Ryaverket am Hafen in Göteborg. Nur dort fand Pontus die notwendige Fläche um ganz Göteborg in Miniaturmaßstab darzustellen. Kein Wunder, dass der Künstler mit seinem Werk dann auch im Guinness Buch der Rekorde aufgenommen wurde.

Aber so einzigartig dieses Werk auch sein mag, so ist das Gemälde von 696 Quadratmetern Größe entlang der 263 Meter der unterirdischen Gänge des Ryaverkets in der Regel nur von jenen zu sehen, die diese Gänge während ihrer Arbeit besuchen, denn nur selten bekommt eine Gruppe nach langer Anmeldung Zugang zu diesem einzigartigen Kunstwerk. Der gewöhnliche Bürger der Stadt oder seine Besucher bekommen diese permanente Ausstellung ausschließlich am Tag der Offenen Tür zu sehen, dieses Jahr also am 2. Juni.

Herbert Kårlin

Donnerstag, 9. Februar 2012

Göteborger Tanz- und Theaterfestival

Seit 1994 findet in Göteborg, jeweils im August, das Tanz- und Theaterfestival in zweijährigem Rhythmus statt. Ab 2012 landen die Veranstalter nun jedes Jahr zu diesem Ereignis ein, wobei der Zeitpunkt auch von August auf Mai vorverlegt wird. Das 10. Göteborger Dans & Teater Festival findet daher bereits vom 18. Mai bis zum 27. Mai 2012 statt.

Ein Großteil der angebotenen Darstellungen aus ganz Europa werden zum ersten Mal in Schweden aufgeführt, wobei ab diesem Jahr auch die nordische Szenenkunst besonders hervorgehoben wird, was den nordischen Künstlern dabei helfen soll auch international Fuß zu fassen und kleiner Tanz- und Theatergruppen ihre Werke erstmal vor einem größeren Publikum aufführen können.

Während der Göteborger Tanz- und Theaterfestivals sind bisher rund 25 Vorstellungen aus 15 Ländern auf den unterschiedlichsten Bühnen der Stadt vorgesehen, wobei die Veranstalter bereits begonnen haben jede Woche eine der teilnehmenden Gruppen vorzustellen. So ist, zum Beispiel bereits bekannt, das der Dramatiker Jörgen Dahlqvist mit „Hamlet II: exit ghost“ vertreten sein wird, ein Künstler, der zum Theaterkritikerpreis 2011 nominiert war.

Herbert Kårlin